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Altes Auto im neuen Anzügerl – so will Aisslinger den Lebenszyklus von Dingen mit Augenzwinkern ausdehnen.

AUSSTELLUNG

Futuristische Puppenstube

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Wer vom östlichen Rotunde-Ausläufer der Münchner Pinakothek der Moderne hinunterschaut in den dortigen Designmuseums-Saal, ist sogleich nostalgisch erheitert.

Es tut sich zwar keine Puppenstube aus der Gründerzeit auf, sondern eine aus unserer (möglichen) Zukunft – ist aber eben trotzdem sympathisch. Da macht einer zeitgenössisches Design, und man fühlt sich sofort wohl dabei. Gibt’s das, und taugt dann die Gestaltung überhaupt was? Viele Entwerfer setzen ja eher auf Krachertes oder nervtötend Unpraktisches. Werner Aisslinger, 1964 in Nördlingen geboren, sieht das offenbar entspannt. Er nimmt seine Profession sehr ernst – 1993 wurde in Berlin sein erfolgreiches Studio gegründet –, für pseudorevolutionäres Pathos hat er freilich nichts übrig.

Deswegen hat er ein luftiges Aufklapp-Haus um die Paternoster-artigen Schau-Aufzüge in der Neuen Sammlung – The Design Museum installiert. Und so agiert er in seinem gesamten Schaffen: kein Überbau, sondern ein Drumherumbau. Er nimmt das Strebensystem der Lifte auf für sein Regal-Haus. Schnell verschraubt, schnell gebaut und nicht aufdringlich gegenüber der Umwelt. So wirkt auch sein Formenvokabular. Es ist uns vertraut aus den vergangenen knapp 100 Jahren Gestaltung. Aisslinger ist nicht der Designer, der auf Teufel-komm-raus neue Kinkerlitzchen anbieten möchte. Altes darf bei ihm Bestand haben. Sein Team hat sogar die Tendenz, sich abzuschaffen. Seit 2012 wird etwa an einem selbst wachsenden Stuhl herumprobiert. Man züchtet daheim seine eigenen Weiden, und aus ihren Ruten formt man die Stühle. Schmunzelnd blickt Aisslinger in die Zukunft, denn vielleicht könnten die Weiden ja irgendwann gleich in Sitzform wachsen. Sein futuristisches „House of Wonders“ – so heißt die Ausstellung – ist also keine klirrend kalte Vision. Vielmehr zeigt sie pragmatisch, dass uns die heutigen heiß begehrten elektronischen Spielzeuge langweilen werden und sie dann von uns nur noch als Helfer  à la Waschmaschine genutzt werden.

In der Schau, die zehn Monate den Paternoster-Saal ummodelt (vorheriger Gast war Konstantin Grcic), können die Besucher jetzt schon lachen über die Drohne, die wie ein Schachterlteufel hinaufschlackert – mit einem T-Shirt. Das mit dem Wäscheaufhängen muss sie noch üben genauso wie der kleine „Robota“, der, angetan mit buntem Pullover, kein wirklich fleißiger Gartler ist. Auf diese Weise entzaubert und entdämonisiert Aisslinger Technologien: „Jetzt prasselt das Digitale auf uns ein, aber wir sind analoge Wesen.“ In seinem Wunder-Haus passen daher die elegante Badewanne mit eierschalendünner Wand und eine mechanische Schreibmaschine zusammen, ein Hocker (Prototyp), der ausschaut wie eine überdimensionierte Nähgarnrolle, und ein schokobraunes rundes Sofa, das das Kolosseum zitiert.

Natürlich kümmert sich Werner Aisslinger um neue Techniken und Materialien bei seinen Entwürfen (Gel-Stühle), behält zugleich seinen gesunden Skeptizismus. „Die Material-Euphorie ist heute gigantisch. Wir sind jedoch im narrativen Zeitalter. Wenn ein Objekt nichts zu erzählen hat, gibt es für viele Menschen keinen Grund, dafür etwas Altes aufzugeben“, gibt der Designer zu bedenken. Deswegen fährt er zum Beispiel alte Autos, die man doch „up-cyceln“ könne – etwa mit einem immer wieder anderen Kleidungsstück. Eine Karosserie mit vielfarbigem Anzügerl ist natürlich in der Ausstellung zu bewundern.

Aisslinger und sein Team brauchen die Ausflüge ins Gspinnerte, denn nur so finden sie Zukunftsweisendes und einen gesunden Ausgleich zur „normalen“ Arbeit. Die Präsentation beweist mit vielen realisierten Gegenständen zwischen Schubladenregal und Couchlandschaft, dass es um kluge, bescheidene, variable Dinge geht. Deren „Lebenszyklen zu verlängern“, ist Werner Aisslingers Ziel. Design als Umweltschutz mit Spaß.

Bis 17. September 2017,

Di.-So. 10-18 Uhr; Telefon: 089/ 23 80 53 60.

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