Die Gabe der Reflexion macht den Künstler

- Ein Kompliment an das gesamte Ensemble des Hauses Dorn: Vierzehn seiner Schauspieler wurden für den Kurt-Meisel-Preis (7500 Euro) von den Freunden des Bayerischen Staatsschauspiels vorgeschlagen. Gewonnen hat ihn Jens Harzer. Der in Botho Strauß' "Der Narr und seine Frau heute Abend in Pancomedia" als Zacharias Werner glänzend durch verlegerische Sümpfe glitscht. Der Kleists düpiertem Amphitryon die Krone der erschütterten Erkenntnis aufsetzt.

<P>Wachsen ist<BR>ein Wert</P><P>Der als Oedipus gegen den großen Gegner Wahrheit schwächelt. Der sich trotzdem "mit dem Machbaren und erfolgreich Gemachten nicht zufrieden gibt" - so Laudatorin Gisela Stein. Das unterscheide ihn vom perfekten Schauspieler, der zwar selbst die Darstellung der Unbeherrschtheit vollkommen beherrscht und dem doch etwas fehlt: "Erst die Gabe der Reflexion macht aus dem Hochbegabten den Künstler." </P><P>Selbst diese Lorbeeren verlieh die erfahrene Kollegin nicht ohne Warnung: Auch "die Angst vor Glätte und dem schnell Fertigen", der Kampf des Geglückten mit dem Schiefen könne zur "Methode und Manier" werden. Dass Harzer - solchermaßen "klug und gefährdet" - seinen Weg findet, das wünscht sie ihm nicht nur, sie traut es ihm einfach zu. </P><P>Und Harzer brach - den Dichter Jean Genet vor den Karren gespannt - sogleich in Richtung des Unerwarteten aus: Bereits seit einem Jahr beschäftige sich das Theater inmitten seiner "wunderbaren Bürgerlichkeit" mit Genet, der "unserem Wohlsein die Zunge herausstreckt". Weil die Premiere der "Wände" bevorsteht, las Harzer aus einem Brief des Dichters: "Den Geschmack von Asche und Fäulnis" müsse der Zuschauer mit nach Hause nehmen. Der Sinneseindruck, der dem Publikum im Cuvillié´stheater blieb, war allerdings ein freundlicherer und fand sich in Elmar Goerdens Worten über die Förderpreisträger Lisa Wagner und Oliver Möller wieder: "Wachsen ist ein Wert an diesem Haus, hier bekommt man seine Zeit." </P><P><BR> </P>

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