Gabentisch-Historie

- Luther brachte das Christkind ins Spiel, weil er nichts mehr für den Nikolaus übrig hatte; Heilige gab es nach der Reformation nicht mehr. Heute sind Nikolaus - zunächst kam er noch insgeheim, ab dem 17. Jahrhundert dann persönlich, im Bischofsgewand und oft mit Krampus - und Christkind vereint im Widerstand gegen den Weihnachtsmann angelsächsischer Prägung, der wiederum vom "Herrn Winter" beeinflusst ist. All diesen weihnachtlichen Querverbindungen von Heidnischem bis Christlichem, von Natursymbolik bis Feier-Kitsch, von Schenken bis Besinnlichkeit, von Essen, Trinken bis Kunsthandwerk kann man ab Freitag im Modemuseum, Münchner Stadtmuseum, nachspüren.

<P>Unter dem Titel "Fast wie Weihnachten" haben sich das Modemuseum (Andreas Ley) und die Abteilung Volkskunde (Ulrike Zischka) zusammengetan, um die Besucher zu bescheren. Man hat fünf "Gabentische" bereitet, die chronologisch das Weihnachtsfest von etwa 1770 - Kinder werden erstmals nicht nur als kleine Erwachsene wahrgenommen - bis in die 1950er-Jahre schildern. </P><P>Die kleinen Bürger</P><P>In Mode und Spielzeug spiegeln sich die Epochen wider - bis hin zum Ritterkreuz auf Baumschmuck aus dem Ersten Weltkrieg oder dem aus Dosenblech gebastelten Bagger, der nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Deutlich wird immer, wie die Kleinen in die Welt der Erwachsenen eingeführt werden: Mutti, Hausfrau, Ladnerin, Baumeister, Soldat, Techniker en miniatur.</P><P>Die bürgerliche Welt umhüllt das Püppchen, das Kind und den Erwachsenen. Das versinnbildlichen die "Gabentische", die zwar die Stimmung der Festlichkeit verbreiten, aber nie ins Zuckrige abdriften.</P><P>Ruhige Farbflächen in Rot, Grün und Gold sowie streng stilisierte Weihnachtsbäume tippen immer wieder optische Leitmotive des Festes an. Grafik-Serien ergänzen das mit allen möglichen Varianten: Schmücken des Baums, mütterliche Liebe, pittoreske Armut. Auch wenn Weihnachten verweltlicht ist, wurde dessen Ursprung nicht vergessen. Mag das gefatschte Jesuskind auch nicht mehr in vielen Haushalten anzutreffen sein, so verzichtet doch heute kaum jemand auf die Krippe. Eine Krippengloriole mit Herrgott, Heiligem Geist und Engelsscharen im Wolkengebräu ("Gloria in excelsis deo"), wie man sie im Stadtmuseum sieht, dürfte allerdings selten sein. </P><P>Geschichten erzählen viele Exponate, auch die Christbaum-Behänge, "keine tote Antiquitätengeschäfts-Ware" (Zischka); zum Beispiel: die Wattemännchen und Drahtkörbchen, die eine Münchnerin bis zu ihrem Tod mit 100 Jahren aufbewahrte und an Weihnachten auch benutzte.</P><P>19. November -30. Januar, Tel. 089/ 23 32 23 70.</P>

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