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Sol Gabetta warb in München für Klassik am Odeonsplatz. Sie ist am 7. Juli, 20 Uhr, dort mit Antonin Dvo(r)áks Cellokonzert zu erleben.

„Da sollte nichts schiefgehen“

München - Cellistin Sol Gabetta spricht im Merkur-Interview über Klassik am Odeonsplatz, Komponistenschicksale, Glück und Zugehörigkeit.

Sol Gabetta ist vor rund sechs Jahren durchgestartet. Seitdem verkörpert sie Eleganz, Frische, Energie. Ganz wie auf dem Foto. Am 7. Juli, 20 Uhr, gastiert die 30-jährige Cellistin bei Münchens Klassik am Odeonsplatz mit Antonin Dvo(r)áks Cellokonzert. Juraj Valcuha dirigiert die Münchner Philharmoniker, außerdem erklingen Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ (Ravel-Instrumentierung) und Friedrich Smetanas Ouvertüre zur „Verkauften Braut“. Gabetta gilt als die derzeit erfolgreichste Künstlerin ihres Instruments.

Sie sagten vor vier Jahren, Sie seien zu 95 Prozent ein positiver Mensch. Und wie sieht’s heute aus?

Da hat sich nicht viel geändert. Aber es ist auch wichtig, die Schattenseiten zu kennen. Wer das Unglück nicht kennt, ist nicht glücklich. Am Unglück kann man reifen, sich selbst kennenlernen und seine Kraft. Alle Schwierigkeiten haben ihren Sinn, daran glaube ich. Außerdem: Unser Glück liegt in uns selbst – das ist eine Sache der Perspektive.

Geht es Ihnen aus Ihrer Perspektive besser oder schlechter als vor Ihrer Zeit als begehrter Klassikstar? Der Stress ist ja viel größer geworden …

Besser. Schließlich träumt ja jeder in meiner Branche davon, mit tollen Musikern zu spielen, die Wahl zu haben, mit wem und wie oft man auftritt, wo man wohnt.

Wohnen Sie noch mit Ihrem Freund in Basel?

Alles unverändert. Außerdem ist es schön, älter zu werden, zu reifen. Ich weiß nicht, wie ich mit 60 sein werde, aber ich möchte definitiv keine 17 mehr sein. Die Pubertät ist eine so schwierige Zeit. Spannend zwar, aber neben dem Drang, sich zu finden und zu beweisen, kommt ja auch immer die Unsicherheit. Mittlerweile weiß ich doch mehr, was ich will, wo ich hinwill.

Ihre Freundinnen aus der argentinischen Kindheit haben alle Familie, sagten Sie vor einiger Zeit. Fehlt Ihnen da nichts?

Nein. Wenn mir etwas fehlt, dann ändere ich es. Meine Freundinnen erzählen mir übrigens auch, wie europäisch ich mittlerweile sei. Aber ich bin ja schon vor langem weggezogen, das ist normal. Ich fühle vor allem ganz viel Russland in mir.

Wegen des russischen Vaters?

Mag sein. Ich habe argentinisches Temperament, aber einen europäischen Kopf. Ich liebe es, in ein Musikstück immer tiefer einzudringen, es immer neu und intensiver zu entdecken. Das ist für mich spannender, als permanent irgendetwas Neues zu spielen. Die Kunst ist ein großes Rätsel. Ich versuche, ein Stück weit auch mein Rätsel über die Kunst zu lösen.

Welcher Künstler kann das am besten?

Zum Beispiel Schumann. Oder auch Schostakowitsch. Ich liebe es, wenn die Musik das Leben ihres Schöpfers erzählt. Stellen Sie sich vor, dass Schostakowitsch zum Schluss einen Koffer mit seinen Noten neben sich stehen hatte, immer festhielt, und mit der anderen Hand komponierte. Er hatte Angst, jederzeit von Stalins Männern abgeführt zu werden. Das ist wahre Existenzangst. Wir reden so viel über Existenzangst, aber uns geht es doch, mal ehrlich gesagt, sehr gut in Europa.

Apropos gut: Vor zwei Jahren wollten Sie schon bei Klassik am Odeonsplatz auftreten, aber das fiel wetterbedingt ins Wasser.

Jetzt soll’s ja besser werden. Ich hoffe es. Schließlich bedeutet mein Vorname Sol ja „Sonne“ – da sollte nichts schiefgehen.

Das Gespräch führte Matthias Bieber.

Für das Konzert

am 7. Juli gibt es Karten unter der Telefonnummer 089/ 54 81 81 81.

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