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„Das sage ich schon seit meinem Amtsantritt“: Josef E. Köpplinger will seinen Vorstoß – kurz vor der Eröffnungsgala am Samstag – nicht als Drohung verstanden wissen.

Vor der Wiedereröffnung

Gärtnerplatz-Intendant: „Uns fehlt eine Million“

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Kurz vor der Wiedereröffnung des Gärtnerplatztheaters wird die Stimmung getrübt. Intendant Josef E. Köpplinger fordert einen höheren Etat und bringt eine Reduzierung der Vorstellungen ins Spiel.

München - Ein freundlicher, charmanter Mann ist Josef E. Köpplinger und zurzeit ein ziemlich gestresster: Die Wiedereröffnung seines Gärtnerplatztheaters fordert eigentlich einen 26-Stunden-Tag vom Intendanten. Und weil Köpplinger so liebenswürdig sein möchte, will er seinen jüngsten Vorstoß auch nicht als Drohung verstanden wissen: Sein Haus habe zu wenig Geld. Eine Million Euro netto würden im Etat fehlen, das Niveau des Spielbetriebs sei gefährdet.

„Das sage ich doch bereits, seitdem ich das Haus übernommen habe“, rechtfertigt sich Köpplinger. Ob er nun zornig ist, weil sich so lange nichts getan hat? „Ich bin nicht der Mensch, der sich öffentlich äußert, wenn er sauer ist“, meint der Intendant. Ihm gehe es schlicht um Künstlerisches, um das, was auf der Bühne gezeigt werde – und unter welchen Voraussetzungen. Als Vergleich führt Köpplinger die beiden Schwesterhäuser Wiener Volksoper und Komische Oper Berlin an. Auch wenn sich deren Konzept nicht hundertprozentig mit München vergleichen lasse: „Es geht darum, dass wir – auch gagentechnisch – nicht als Stadttheater betrachtet werden können. Ich spreche ausdrücklich von der Erfüllung eines Staatstheater-Auftrags. Außerdem gibt es bei uns keine Zwei- oder Drei-Personen-Stücke, sondern aufwendigere Produktionen.“

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Nur 15 Prozent des Etats für die Kunst

Die Konsequenzen? Für Köpplinger ist das eine einfache Rechnung. Sollte der Etat nicht reichen, müsse eben über eine Reduzierung der Termine nachgedacht werden. „Eine Vorstellungsanzahl auf unserem jetzigen Niveau ist auf Dauer nicht machbar.“ Wobei auch dies zweischneidig sei: Wer weniger Abende anbiete, nehme schließlich auch weniger ein.

Ein Konflikt also. Und ein Vorstoß, bei dem sich manch Augenbraue der politisch Verantwortlichen heben dürfte. Gerade hat man das Gärtnerplatztheater für 121 Millionen Euro saniert (ursprünglich waren 70 Millionen geplant), nun hält der Chef schon wieder die Hand auf? Was Köpplinger zugute kommt: Für die Kostensteigerung, auch für die mehrjährige Verzögerung kann er im Grunde nichts. Er argumentiert aus rein künstlerischer Sicht und will diese Debatte von der Renovierung getrennt sehen. Zur Verdeutlichung führt der Intendant an: Nur 15 bis 18 Prozent des Etats könne er für die Kunst ausgeben, der Rest seien anderweitige Fixposten. „Ich hätte diese Forderung von einer Million auch gestellt, wenn es keine Schließung gegeben hätte und ich von Anfang an im Stammhaus gewesen wäre.“ Mehr Krawall habe er auch nicht machen wollen – „zuerst muss man schließlich Leistung bringen, dann können wir etwas verlangen“.

Nach fünf Jahren Sanierung: So schön ist das neue Gärtnerplatztheater

„Die Ministerien verstehen das“

Köpplingers erneuter Vorstoß kommt dabei nicht zur Unzeit. In den vergangenen fünf Jahren hat er gezeigt, dass sein Gärtnerplatz-Team auch unter widrigsten Umständen hochklassiges Theater machen kann – und dies, während man durch Exil-Spielstätten wie Reithalle, Circus Krone oder Theaterzelt tingelt. Zudem zeichnet sich gerade bei der großen Schwester Bayerische Staatsoper ein Umbruch ab. Demnächst dürften ein neuer Intendant (Serge Dorny?) und ein neuer Generalmusikdirektor (Vladimir Jurowski?) für die Zeit ab 2021 bekannt gegeben werden – bei all diesen kostenträchtigen Verhandlungen möchte auch das Gärtnerplatztheater nicht aus dem Blick der Finanziers verschwinden.

Laut Josef E. Köpplinger wissen Kunst- und Finanzministerium über die Situation am Gärtnerplatztheater Bescheid „und verstehen sie“. Keine Mahnung oder Zurechtweisung sei daher die Debatte um die fehlende Million, „sondern Fakt“.

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