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Baustelle bis Herbst 2016 – das Gärtnerplatztheater wird derzeit für 77 Millionen Euro renoviert.

Verzögerung

Gärtnerplatztheater: Renovierung dauert länger

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München - Die Renovierung des Gärtnerplatztheaters dauert länger. Ein vorgezogener Spielbetrieb zum Jubiläum bleibt ein Wunschtraum.

„Der Zudrang des Publikums war ein massenhafter, und das bis in seine obersten Räume glänzend erleuchtete prachtvolle Haus war bis zum Erdrücken voll“, heißt es in einem begeisterten zeitgenössischen Bericht. Auch wenn nicht Ludwig II. „als Protektor“ anwesend war, sondern Herzog Max Joseph in Bayern. Am 4. November 1865 war das, am Eröffnungstag des Münchner Gärtnerplatztheaters. Ein historisches Datum, das exakt 150 Jahre später, am 4. November 2015 groß gefeiert werden sollte. Doch der vorgezogenene Spielbetrieb nach der Sanierung des Hauses kann, so wie es aussieht, nicht durchgeführt werden. Die Renovierungsarbeiten dauern länger als geplant.

Wer derzeit am Gärtnerplatz vorbeikommt, dürfte darüber nicht verwundert sein. Die Kräne, die Gerüste, die klaffenden Baulücken, all das deutet darauf hin, dass mit einer Wiedereröffnung von Münchens zweitem Opernhaus nicht so schnell zu rechnen ist. Im Innenministerium geht man auf Anfrage unserer Zeitung davon aus, dass Vorstellungen erst ab Beginn der Saison 2016/ 2017 realistisch sind. Das bedeutet aber auch, dass das Ensemble länger als geplant in Ersatzspielstätten unterkommen muss. Und dies wiederum produziert gewaltige Engpässe, etwa im Falle des Prinzregententheaters. Private Veranstalter klagen derzeit darüber, dass eine mittel- bis längerfristige Terminvereinbarung nur schwer oder gar nicht möglich sei. Und auch die dort beheimatete Theaterakademie trifft das Exil der Kollegen hart: Sie kann während dieser Zeit nur eingeschränkt Eigenproduktionen auf die Bühne bringen.

In zwei Etappen, so war die ursprüngliche Planung, sollte das sanierte Gärtnerplatztheater wiedereröffnet werden. Zunächst mit einem eingeschränkten Spielbetrieb anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten, im Jahr darauf dann mit dem gewohnten Repertoirebetrieb. Ersteres ist nun wohl Makulatur, was dem Team übrig bliebe, wäre zum Beispiel ein Geburtstagskonzert im nicht fertigen Haus. Diese Entscheidung, so ließ das Innenministerium wissen, überlasse man der Intendanz. Von einer Erhöhung der Baukosten sei nicht auszugehen. Vorerst. Mit 77,2 Millionen Euro schlägt die Renovierung nach bisheriger Rechnung zu Buche – eine Summe, die seinerzeit nur unter Zähneknirschen von den Gremien genehmigt wurde. Und dass, obwohl sich Sanitär- und Heizungsanlagen sowie Wärmedämmung, Brandschutz und Elektrik in einem vorsintfllutlichen Zustand befanden, überdies war die Probebühne – ein großes Hindernis für Künstler und Technik – ausgelagert.

Vom Gärtnerplatzteam selbst war zu der Verzögerung keine Stellungnahme zu bekommen, man verweist auf die Oberste Baubehörde. Hausherr Josef E. Köpplinger muss sich also länger als gedacht mit der Funktion des „Renovierungsintendanten“ abfinden. Prinzregenten- und Cuvilliéstheater, Reit- und Alte Kongresshalle plus Circus Krone: Das sind derzeit seine Ausweichspielstätten, die Verwaltung residiert bekanntlich unweit des Giesinger Bahnhofes. Immerhin hat die Ausnahmesituation, die zu fantasievollen Lösungen zwingt, auch ihr Gutes. Eine derartige künstlerische Blüte hat das Team vom Gärtnerplatz lange nicht erlebt.

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Von Markus Thiel

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