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Gärtnerplatztheater München: Tenor Lucian Krasznec rockt „Hoffmanns Erzählungen“!

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Von: Katja Kraft

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Tenor Lucian Krasznec im Gärtnerplatztheater München, wo er seit 2016 Ensemblemitglied ist
Fühlt sich wohl in „seinem“ Gärtnerplatztheater: Seit 2016 ist Lucian Krasznec Ensemblemitglied am Haus. © Marcus Schlaf

Das Gärtnerplatztheater München feiert die Premiere von „Hoffmanns Erzählungen“. Die Titelpartie singt Tenor Lucian Krasznec. Gerade wurde er zum Bayerischen Kammersänger ernannt. Sein Leben verlief selbst wie eine Oper. Ein Gespräch.

Dieter Bohlen wollte ihn nicht. Welch ein Glück. Denn München will ihn umso mehr. Wenn Tenor Lucian Krasznec auf der Bühne des Münchner Gärtnerplatztheaters loslegt, ist der Jubel im Anschluss groß. Der 40-Jährige ist im besten Sinne des Wortes eine Rampensau. Mit dieser Bühnenpräsenz, Stimme und dem schauspielerischen Talent hätte er doch auch Popstar werden können, meint man zu ihm, als man sich zum Gespräch in der Kantine „seines“ Gärtnerplatztheaters trifft.

Lucian Krasznec hat sich einst bei „Deutschland sucht den Superstar“ beworben

Seit 2016 gehört er zum Ensemble des Hauses. Dort verrät er lachend: „Ich war tatsächlich in einer Castingshow! Bei ,Deutschland sucht den Superstar‘.“ Nein! „Doch!“ Sichtlich freut sich Krasznec, dem kürzlich vom Freistaat Bayern die höchst ehrenvolle Kammersängerwürde verliehen wurde, über die gelungene Überraschung. „Da war ich 17, 18. Das Casting war in einem Münchner Hotel, ich weiß gar nicht mehr, wo genau.“ Nur, dass Bohlen selbst nicht dabei war, das weiß er noch. Und dass er einen Robbie-Williams-Hit gesungen hat. Half nix, die Vorauswahl-Jury winkte ihn nicht weiter. „Ich habe aus voller Brust geschmettert, hat aber von vorne bis hinten nicht gereicht. Das war ihnen nicht poppig genug.“

Lucian Krasznec als Duca im „Rigoletto“ am Münchner Gärtnerplatztheater
Rampensau: „Man muss sich was trauen“, sagt Lucian Krasznec über seinen Beruf. Hier als Duca im „Rigoletto“. © Christian POGO Zach

Heute ist er froh darüber. Denn heute ist er genau da, wo er sein möchte. Man muss ihn gar nicht danach fragen, wie sehr Krasznec das Singen liebt. Man muss ihn nur erleben. Ab morgen etwa in der Titelrolle von Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“, die dann am Gärtnerplatz Premiere feiert. Unterhält man sich doch mit ihm über die Lust am Singen, dann gerät er ins Schwärmen. Was ihm so gefällt an dieser Geschichte über den Dichter Hoffmann, der uns im Rausch von seinen drei jüngsten Liebesabenteuern erzählt? „In erster Linie die Musik. Und als Tenor darf ich alle drei Frauen besingen. Das freut mich natürlich – meine Frau dafür nicht so sehr“, meint er lachend.

Lucian Krasznec liebt es, in der Musik zu baden

„Offenbachs Musik besteht nicht nur aus Dramatik, sondern beinhaltet auch sehr viele lyrische Passagen, mit denen man wirklich spielen kann. Das ist, was mir gefällt.“ Nicht wie bei Wagner-Opern, bei denen er drei, vier Stunden über das Orchester gehen müsse, der Gesang immer fast an der Oberkante. „Hoffmanns Erzählungen“ hingegen sei wie eine abwechslungsreiche Stadtrundfahrt. „Hier kann man langsam hochschalten. Dann auch mal runter vom Gas gehen. Das macht Spaß, in der Musik baden zu können.“

Lucian Krasznec und Kulturredakteurin Katja Kraft im Münchner Gärtnerplatztheater beim Interview
Trafen sich im Münchner Gärtnerplatztheater: Lucian Krasznec und Kulturredakteurin Katja Kraft. © Marcus Schlaf

Die Leidenschaft ist das eine. Das andere: der Ehrgeiz. Unverkennbar Krasznecs zweiter starker Antrieb. Seine Lebensgeschichte bietet selbst Stoff für eine Oper. Im rumänischen Banat geboren, kam er als Bub 1992 mit seiner Familie nach Deutschland. Der Papa steckte ihn in den Kinderchor, damit das Deutschlernen besser klappt. „Daraus gründete sich eine Kirchenband. Ein Mädchen, mit dem ich dort gesungen habe, hat mich überredet zu einer Gesangsstunde pro Woche, die wir uns geteilt haben.“ Sie hörte bald auf, Krasznec machte weiter. Nach der Realschule folgte eine Mechatroniker-Ausbildung, dann der Zivildienst. Doch immer schlummerte da diese Idee, dieser Traum von einer Gesangskarriere. Also – hat er es probiert. Genau wie sein Vater es ihm mit auf den Weg gegeben hat: „Er meinte mal zu mir: Junge, wenn du etwas wirklich willst, dann musst du das auf Biegen und Brechen versuchen.“

Lucian Krasznec bekam schon während seines Studiums sein erstes Festengagement

Hat er getan. Krasznec besuchte die Berufsaufbauschule, bestand dann „mit viel Müh und Not“ die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik in Würzburg. Die ersten vier Semester seien enorm anstrengend gewesen. „Oft habe ich mich gefragt: Was habe ich mir da eingebrockt? Warum wollte ich nach einer fertigen Berufsausbildung noch das machen?“, erinnert er sich. Nach den zwei Jahren aber platzte der Knoten. Er erhielt sein erstes Engagement am Staatstheater Darmstadt – „parallel dazu habe ich studiert und meinen Abschluss gemacht“. Pause. „Ja, man kann wohl sagen, dass ich ehrgeizig bin.“

In Darmstadt war es auch, wo ihm so richtig klar wurde: Wenn du nicht bloß eine kleine Nebenrolle singen möchtest, dann musst du dich was trauen. Musst herausgehen aus dir und dich in die Rolle hineinstürzen. Wenn man ihn erlebt, als Duca im „Rigoletto“ oder Leicester in „Maria Stuarda“, dann weiß man, was er meint. Unter 100 Prozent scheint es bei ihm nichts zu geben. Wenn schon, dann mit ganzem Körpereinsatz. „Es soll ja Tenöre gegeben haben, die das hohe C kopfüber gesungen haben.“ Grinsend erzählt er: „Ich hab’s versucht, aber es ist kein Spaß. Es drückt einem das Hirn wirklich fast zu den Augen hinaus.“ Und dann folgt ein Satz, der vielleicht alles über die Persönlichkeit dieses Mannes aussagt: „Es gibt gewisse Grenzen – aber nichtsdestotrotz kann man ja jeden Tag eine neue Grenze definieren.“ Man sieht und hört ihm gerne dabei zu.

Premiere von „Hoffmanns Erzählungen“ ist am 27. Januar 2022 um 19.30 Uhr im Münchner Gärtnerplatztheater. Alle weiteren Infos gibt es hier.

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