Gala und Goethe

München - Intendant Christian Stückl stellte das neue Programm des Münchner Volkstheaters vor

"Volksmund" nennt sich die Hauszeitung des Münchner Volkstheaters, übrigens die schönste, spannendste, witzigste ihrer Art weit und breit. Man lese zum Beispiel die urkomische autobiografische Geschichte von Ensemble-Neuzugang Jean-Luc Bubert. Gleich auf der ersten Seite strahlt einem Hausherr Christian Stückl entgegen, noch mit langlockiger "Oberammergau-Mähne" und rank und schlank eine Leiter erklimmend - ein Foto von 1984, geschossen mitten in der Vorbereitungszeit zu den Passionsspielen.

"Die Bühne im Gasthaus meiner Eltern war nur über die Fenster zu erreichen", erklärt er lachend den steilen Aufstieg. Die Eröffnung des Volkstheaters unter Intendant Jörg-Dieter Haas damals lag noch völlig außerhalb seines Interessenbereichs. Seit einigen Jahren nun schon, zum Glück für die Münchner Theaterszene, sind Volkstheater und Stückl synonym, und mit dem für ihn typischen Dynamo-Temperament und Engagement gab er seinen neuen Spielplan bekannt.

Und da Stückl selbst gerne feiert, kommt ihm das 25-jährige Jubiläum des Hauses nur gelegen. Stargratulanten wie die Geschwister Pfister aus Berlin haben sich angekündigt. Christoph Süß, Stammgast in Stückls (auch weiterhin gepflegten) Off-Reihen zwischen Musik, Literatur und Kabarett, führt durch diesen Gala-Abend am 4. Oktober. Als Gast dringend erhofft: Ruth Drexel, deren künstlerische Leitung dem Haus an der Brienner Straße die erste breite Publikums- Aufmerksamkeit verschafft hat, und das trotz finanzieller Engpässe. Stückl fühlt sich da eher gut von der Stadt unterstützt. Zusätzliche Gelder, die Sponsoren ja auch fließen lassen, braucht er jedoch für sein 5. Festival "Radikal Jung". Als Auftank-Ereignis, auch für ihn selbst, ist es zum wichtigen Programmteil geworden.

Denn neben dem lebens- und immer unternehmungslustigen Stückl ist das seine andere sympathische Seite: die Jugend ernst zu nehmen, sich von ihr inspirieren zu lassen. "Simon Solberg hat einen ,Don Quijote inszeniert, so total anders - so hätte ich das nie gekonnt -, dass er jetzt die Spielzeit mit ,Faust eröffnen wird", schwärmt der Chef rückhaltlos und legt, wenn er auf seinen eigenen "Richard III." zu sprechen kommt, genauso unverblümt die Seele offen: "Als ich den Text gelesen habe, hab ich gedacht: Jetzt werd' ich wahnsinnig. So viel Personal! Da muss ich für unser kleines Haus eine eigene Fassung machen... Jürgen Flimm habe ich einmal gefragt: Hast du schon mal ,Richard III. gemacht? Seine Antwort: Ja - und bin gescheitert."

Aber Scheitern ist für Stückl kein Untergang, sondern Teil der Arbeit, Teil der Zielsetzungen: "Die Einnahmen sind etwas gestiegen. Wir haben eine Platzauslastung von siebenundsiebzig Prozent. Ich möchte aber bald 100 000 Zuschauer erreichen."

Erreicht hat er schon mal eine höhere Zahl von Produktionen pro Saison seit seinem Amtsantritt 2002. Neugierig machen heuer nicht nur die Inszenierungen. Auch die Gastspielreihe hält Interessantes parat.

Der Spielplan

"Faust" von Goethe, Regie: Simon Solberg (2.10.08)"Richard III." von Shakespeare, Regie: Stückl (20.11.08)"Die Dummheit" von Rafael Spregelburd, R.: Philip Jescheck (Dezember 08, kleine Bühne)"Alice im Wunderland" nach Lewis Carroll, R.: Bettina Bruinier (22.1.09)."Der Streit" von Marivaux, R.: Philip Jescheck (19.3.09)Weitere Inszenierungen von Christine Eder (Mai), Frank Abt (25. 6. ) und Christian Stückl."Festival "Radikal Jung" (19.- 26.4.09).Gastspiele: u.a. Liederabend mit Sven-Eric Bechtolf und dem Tiroler Ensemble Franui (18.10.08); Zeit Forum Politik mit Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker (28.10.08); "Salto Mortale" mit Ulrich Tukur und den Rhythmus Boys (2.11.08)."Nacht der Zeitzeugen": 1.11.08 Start der Reihe mit Holocaust-Überlebenden und anderen Zeitzeugen. 

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