Galaktisch gute Stimmung

München - Für Generalmusikdirektor Christian Thielemann ist es die fünfte Spielzeit an der Isar: Gestern präsentierten die Münchner Philharmoniker das Programm der Saison 2008/ 2009.

Allein die Sitzordnung spiegelt den Stimmungswechsel wider: 2007 saßen Thielemann und der damalige Intendant Wouter Hoekstra aus Sicherheitsgründen durch einige Plätze getrennt auf dem Podium, heuer darf der Neue direkt neben dem Maestro Platz nehmen: Paul Müller ist seit erstem März Hoekstras Nachfolger. Dem Ex-Manager der Bamberger Symphoniker eilt ein guter Ruf voraus, Thielemanns Eröffnungssatz entfaltet daher vielsagende Bedeutung: "Endlich liegt die intendantenlose Zeit hinter uns."

Aufatmen also bei den Philharmonikern. Ins Programm der nächsten Saison konnte sich Müller allerdings, bedingt durch die lange Vorlaufzeit, nur punktuell einmischen. Es ist, wer auch immer dafür verantwortlich ist, vielseitig ausgefallen - mit gleich mehreren Abstechern ins Repertoire des 20. Jahrhunderts: Krzysztof Penderecki dirigiert wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag im November seine "Seven Gates of Jerusalem". Der 100. Geburtstag von Olivier Messiaen (Dezember 2008) wird mit drei Programmen gefeiert.

Und der Saison-Gipfel stammt ebenfalls aus dem letzten Säkulum (auch wenn man es dem Werk nur bedingt anhört): Richard Strauss' "Rosenkavalier" in einer konzertanten Aufführung und einer "galaktisch guten Besetzung" (Thielemann) soll den Auftakt bilden zu mehreren Opernprojekten. Diese entstehen in Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus Baden-Baden, wo das jeweilige Stück szenisch herauskommt. Für den "Rosenkavalier" wird dort die Inszenierung des 2002 verstorbenen Herbert Wernicke, die er 1995 in Salzburg herausbrachte, aufgefrischt.

Thielemann setzt in der kommenden Saison seine Beethoven- und Bruckner-Anstrengungen fort, ebenso den Zyklus mit Strauss-Orchesterliedern. Und Pfitzner-Jünger sind nach wie vor bei Münchens GMD am besten aufgehoben: Unter anderem dirigiert er die symphonische Trilogie aus "Von deutscher Seele". Auffallend ist, dass 2008/ 09 kein Experte aus dem Barockbereich am Pult steht und dass die Philharmoniker durchwegs auf ihren eigenen Chor vertrauen - und nicht die Profi-Konkurrenz vom Bayerischen Rundfunk bemühen.

"Medienmäßig", wie sich Thielemann zudem ausdrückte, "nimmt das alles eine sehr gute Wendung". Demnächst erscheint das Brahms-Requiem auf CD, Bruckner und "Rosenkavalier" werden in Baden-Baden für DVDs mitgeschnitten. Nur an René Papes zurückliegenden Wagner-Konzerten scheint man noch zu puzzeln: Die Produktion liegt vorerst auf Eis.

Und welche programmatische Linie der neue Intendant verfolgt, ließ sich ihm noch nicht entlocken. Offenbar setzt Paul Müller auf Kontinutität: "Das Rad neu zu erfinden, ist nicht meine Sache, es interessiert mich auch nicht."

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