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Bernd Klüser, der Joseph Beuys (1921-1986) gut gekannt hat, hinter Beuys-Arbeiten, die in der Galerie bis zum 12. November zu sehen sind.

„In der Galerie wird keiner gebissen“

München - Bernd Klüser, Münchner Galerist von Weltrang, spricht im Interview über seine Beuys-Gabe an Bayern, den Kunstmarkt und das Münchner Open-Art-Wochenende.

München ist ein Zentrum international berühmter Museen. Dass die Stadt aber zudem eine vitale Galerienszene hat, daran erinnert jedes Jahr das offene Galerien-Wochenende der „Open Art“, das am Freitagabend beginnt. Wir sprachen mit Bernd Klüser, einem Münchner Galeristen von Weltrang, der soeben auch Teile seiner bedeutenden Beuys-Sammlung den Staatsgemäldesammlungen übertragen hat (siehe Text unten).

Herr Klüser, warum haben Sie Ihre Beuys-Werke der Pinakothek der Moderne übergeben?

Große Kunstwerke wie die von Beuys haben den Anspruch, öffentlich wahrgenommen zu werden und nicht in privaten Lagern zu verschwinden. Natürlich gibt es auch Arbeiten, die eher intim sind; wir haben beispielsweise eine Sammlung von Beuys-Zeichnungen, mit der leben wir sehr gerne.

Sie sind ja quasi das Bindeglied zwischen Beuys und München...

Ja, das kann man, glaube ich, mit aller gebotenen Zurückhaltung sagen, denn wir waren die Ersten, die Beuys in den 70ern nach München geholt haben. Die Stadt war damals nicht gerade führend, was zeitgenössische Kunst betrifft. Durch unsere Kontakte zu Museen und privaten Sammlern hat es sich dann ergeben, dass München unerwartet zu einem Beuys-Zentrum geworden ist.

Unter anderem durch einen Paukenschlag: Den heftig umstrittenen Ankauf der Installation „Zeige deine Wunde“ für das Lenbachhaus.

Das hat sehr viel verändert, ich weiß gar nicht, ob man sich das hier genügend bewusst macht. Man kann schon ein bisschen staunen, wie das Engagement weniger zu einer langfristigen Wandlung der Sichtweise der Öffentlichkeit führt.

Woran denken Sie da konkret?

An die Offenheit, mit der die Kommune und der Staat sich mit ihren Museen heute für Kunst einsetzen. Kunst wird als wichtiger Faktor betrachtet für diese Stadt. Nicht nur als „Freizeitangebot“, sondern als schöngeistiges Angebot – das von der Bevölkerung sehr positiv angenommen wird. Das hat, selbst wenn es schwer messbar ist, die Atmosphäre der Stadt positiv verändert.

Welche prägenden Eindrücke hat Ihre jahrzehntelange Freundschaft und Zusammenarbeit mit Beuys hinterlassen?

Beuys war eine Ausnahmeperson in der Art, wie er Kunst und Leben verbunden hat. Das Zusammensein mit ihm war ein permanenter Appell dazuzulernen nicht nur, was die Kunstwahrnehmung angeht. Das war lehrreicher, als für viele Leute ganze Universitätsausbildungen, die ja oft mit dem Leben nichts zu tun haben.

Hat diese Erfahrung Ihr Selbstverständnis als Galerist geprägt?

Wir haben alles, was in den letzten Jahren unter dem Stichwort „Kunst-Hype“ lief, bewusst ausgelassen. Man muss selber entscheiden, ob materielle Erfolge im Vordergrund stehen, oder ob man im Sinne der Kunst versuchen kann, etwas zu verändern.

Ist diese Tendenz zum Hype und zum Event heute nicht dominant?

Doch, seit den 90er-Jahren hat das enorm zugenommen. Was natürlich an der Amerikanisierung des gesamten Kunstmarktes liegt. Da, wo das Geld ist und wo das Geld bezahlt wird, werden auch die Maßstäbe festgezurrt. Für jemanden, der gelernt hat, dass Kunst existenzielle Fragen berühren kann und nicht nur materiellen Gewinn bringen soll, war klar, dass sich das wieder beruhigen musste. Durch die Krise haben sich jetzt die ganzen Spekulanten sehr schnell zurückgezogen, und die Leute, die sich wirklich für Kunst interessieren, sind wieder da. Damit werden Künstler, die höhere geistige Ansprüche haben, wie Beuys etwa, ganz anders wahrgenommen als in Zeiten, wo es nur noch um ökonomische Weltrekorde ging.

Welche Bedeutung hat für Sie die Open Art?

Wir haben da immer loyal mitgemacht, und die Open Art ist natürlich auch eine Möglichkeit für jüngere Galerien, erst mal ins Bewusstsein der Leute zu rücken. Wenn die Veranstaltung Weltstadtniveau hat, dann reisen auch Besucher von außerhalb an – was allerdings relativ wenige tun.

Die Open Art, das traditionelle lange Galerien-Wochenende, soll ja die Schwellenangst vor Galerien abbauen.

In der Galerie wird keiner gebissen, das weiß man inzwischen. Und heute, da die Leute zum Bungee-Springen gehen, kann ich mir kaum vorstellen, dass sie Angst haben, in Galerien zu kommen...

Interview: Alexander Altmann

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