Ganove, Gaukler und Galan

- "Immer wieder Du" - das war vor etwa einem Jahr ein hinreißender Abend in Münchens Komödie am Max-II. Mit einem glänzend singenden, steppenden, schauspielernden und tastenlöwigen Ernst Stankovski. Darbietungen solcher Art haben hierzulande Seltenheitswert und sind darum tunlichst nicht zu verpassen. Wenn aber Stankovski, dieser Wiener Élegant und Alleskönner, seinen Auftritt auf einer Kabarettbühne annonciert, dann nichts wie hin.

<P>Da erleben all diejenigen, die den Künstler gern der Ecke "Leichtes und Seichtes" zuordnen - denn seine einst große Popularität verdankte Stankovski vor allem der TV-Show "Erkennen Sie die Melodie?" -, das große Aha: Diese Mischung aus Ganove und Galan ist ein Satiriker wie er im Buche steht. Einer, dessen Texte - klug, frech, mahnend, ironisch - unter die Haut gehen, aber auch unerhörten Spaß bereiten. Ein Moralist mit Galgenhumor. Ein Wiener-Schmäh-Hohepriester, der mit schmeichlerisch-gutturaler Stimme seine bösen Wortpfeile abschießt.</P><P>Im Rückblick auf ein erfülltes Künstlerleben zwischen Entertainment und Moliè`re, Operette und Shakespeare, Brettl und Bernhard gesteht der Unermüdliche, der vor allem sich selbst nie zu ernst nimmt: Er sehe sich "als Gaukler, der mit seinen Liedern durch die Lande zieht. Alleine mit selbst geschriebenen Stücken auf der Bühne, nah am Publikum, dort bin ich am liebsten."</P><P>Seine große Solokarriere in der so genannten Kleinkunst startete Stankovski, der vor dem Schauspielstudium am Wiener Reinhardt-Seminar erst einmal eine Friseurlehre absolvierte, mit den "Galgenliedern" von Franç¸ois Villon. Das war 1975. "Villon", sagt er, "ist mein König Lear".</P><P>Aber natürlich hat Ernst Stankovski auch Shakespeare gespielt und Moliè`re, Schnitzler usw. Aber nie die tragischen Helden, vielmehr die komischen Rollen, die ihm sehr bald den Weg bahnten in die Film- und Fernsehunterhaltung. Wenn er aber jetzt im kleinen Schloss-Theater im niedersächsischen Celle in Thomas Bernhards "Vor dem Ruhestand" als Gerichtspräsident und ehemaliger SS-Offizier Rudolf Höller auf der Bühne steht, dann schließt sich der Kreis seiner Karriere, in der er immer das Satirisch-Politische verfolgte und dabei nie das Klassische aus den Augen verlor. Heute feiert Ernst Stankovski seinen 75. Geburtstag.</P>

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