Ganz persönliches Endspiel

- Nein, mit der Fußball-WM hatte dieses Konzert am Sonntagabend wirklich nichts zu tun. Auch wenn selbst hier im Publikum immer wieder bunte Fußball-Trikots und wehende Fahnen durchblitzten. Aber damit war wohl zu rechnen gewesen, nachdem das traditionelle "Oper für alle"-Konzert der Bayerischen Staatsoper diesmal strategisch günstig am Tag des großen Endspiels platziert wurde.

Mit dem Jubelfinale von Beethovens Neunter hätte man zu diesem Anlass kaum ein passenderes Werk aufs Programm setzen können. Und so schwappte dann auch tatsächlich eine große Welle der herrschenden WM-Begeisterung über auf Münchens Marstallplatz, wo nach einigen ordnenden Worten von Intendant Peter Jonas, der sich hier zunächst in der ungewohnten Rolle des Platzanweisers bewähren musste, jeder der geschätzten 17 000 Musikliebhaber sein Fleckchen an der Sonne fand.

Denn auch das Wetter hatte diesmal ein Einsehen und machte Zubin Mehta beim letzten Open Air-Konzert seiner Amtszeit keinen Strich durch die Rechnung, sondern verwöhnte den Dirigenten zu seinem ganz persönlichen "Endspiel" mit strahlend weiß-blauem Himmel.

Der scheidende Maestro verfügt bekanntermaßen über reichlich Erfahrung mit derartigen Events, und so passte sich Mehta auch diesmal bestens den widrigen akustischen Bedingungen an. Gemeinsam mit seinem Staatsorchester lieferte er eine effektvoll knallige Interpretation von Beethovens Dauerbrenner, der weder zerplatzende Luftballons noch andere störende Nebengeräusche wie Kirchenglocken oder vorbeifliegende Hubschrauber ernsthaft etwas anhaben konnten.

Im Quartett der Solisten vermochten vor allem Anja Harteros und Daniela Sindram zu punkten, doch gegen die geballte Kraft von Chor und Staatsorchester konnten auch diese beiden trotz Mikrofonverstärkung nur wenig ausrichten.

Aber auch das gehört eben zu solchen Freiluftkonzerten dazu. Hier zählt vor allem die Stimmung. Und die konnte es, gemessen an der Phonstärke des Beifalls, schon mal definitiv mit jedem Endspiel aufnehmen.

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