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Ronith Mues – die Harfe ist fürs Interview weggepackt – nach einer erfolgreichen Runde des Wettbewerbs.

Ganz schön laut an der Harfe

ARD -Musikwettbewerb: Münchnerin Ronith Mues, die es ins Semifinale geschafft hat, sieht keinen Heimvorteil für sich

Geht es ums Thema Gleichberechtigung, stehen leider mit Recht meist immer noch Frauen im Zentrum der Diskussion. Darüber wird dann aber fast vergessen, dass es ebenso Bereiche gibt, in denen der Mann zur bedrohten Spezies zählt. So verkörpert etwa ein männliches Wesen an der Harfe nach wie vor eher die Ausnahme, wie aktuell ein Blick auf die Teilnehmerliste des ARD -Musikwettbewerbs belegt. Da ist nach den ersten Runden gerade noch einer der vier jungen Herren übriggeblieben, die hier gegen rund 30 Konkurrentinnen angetreten waren. Sind also Frauen am Ende doch die besseren Harfen-Spieler?

Semifinalistin Ronith Mues, eine Münchnerin, muss sich bei dieser Frage das Schmunzeln verkneifen. „Nein, das ist einfach so ein Klischee. Aber das gibt es nicht bloß bei uns. Denken Sie zum Beispiel an die Tuba, da ist es genau anders rum. Die Harfe hat eben so etwas Filigranes an sich, das gerade den kleinen Mädchen gefällt. Man fängt ja meist so mit sieben oder acht Jahren an, und in dem Alter wollen Jungs einfach lieber etwas, das mehr Krach macht. Obwohl ja auch eine Harfe ganz schön laut sein kann, wenn ich will. Da sind die Leute nach Konzerten oft überrascht, weil sie das so nicht erwartet haben.“

Warum sie selbst zu diesem Instrument gegriffen hat, ist ebenso schnell erklärt. Immerhin war schon die Mutter Harfenistin. „Da kriegt man das, wie man so schön sagt, gleich mit der Muttermilch mit.“ Und nach ersten Versuchen im zarten Alter von fünf war es bald klar, dass die Harfe auch ihr dauerhafter Begleiter werden würde. „Natürlich wird man damit wohl nie so bekannt werden wie eine Anne Sophie Mutter , aber wir werden weiter darum kämpfen. Und wenn irgendein schlauer PR -Agent daherkommen würde, dem was Gutes einfällt… wer weiß, was dann wäre.“ Mit der Karriere läuft es für Ronith Mues bisher auch ohne große PR -Kampagnen nicht schlecht.

Noch vor Abschluss der Meisterklasse bei Xavier de Maistre kam für sie der Ruf zum Berliner Konzerthausorchester, wo sie seit 2007 die Position der Soloharfenistin besetzt. Beim ARD-Wettbewerb ist es für die selbstbewusste junge Musikerin dagegen bereits der zweite Anlauf. „Ich war vor fünf Jahren schon einmal dabei und bin immerhin bis ins Semifinale gekommen. Das hab ich also zumindest schon wieder erreicht. Obwohl das Niveau in diesem Jahr fast noch höher ist als damals. Schon in der ersten Runde waren unglaublich viele gute Leute dabei. Ich wollte es aber für mich selbst noch einmal wissen.“

Heute im Semifinale mit ehemaligen Preisträgern wie Magali Mosnier oder dem Quatuor Ebène Kammermusik spielen zu können, ist schon eine besondere Erfahrung. „Ich bin von der Probe immer noch ganz begeistert. Es macht so viel Spaß, mit ihnen zu spielen, weil man mit denen alles geben und alles riskieren kann. Es sind phänomenale Musiker, die genau aufeinander hören. Und das gibt mir noch einmal enorm viel Kraft, weil man nach zwei Runden doch schon ganz schön geplättet ist.“ Von einem möglichen Heimvorteil will die gebürtige Münchnerin deshalb auch nichts hören, weil das neben gewissen Annehmlichkeiten auch seinen ganz eigenen Druck mit sich bringt. „Ich mag das gar nicht, wenn die Leute mir immer sagen, na klar, packst du das, und wir sehen uns dann ja sicher im Finale . Ganz einfach, weil so viel mehr dazugehört, um hier zu gewinnen, als nur gut zu spielen. Glück, gute Nerven und vor allem die Tagesform. Am besten hat mir da die SMS gefallen, die mir ein Freund vor der ersten Runde geschrieben hat. In der stand bloß: ‚Ich weiß, dass Du das schaffen kannst.‘ Und jetzt will ich einfach nur noch so spielen, dass ich mit mir selbst zufrieden bin.“

von Tobias Hell

Semifinale Harfe

heute, 16 Uhr, Prinzregententheater, Karten: 089/ 5900-4545, 54 81 81 81.

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