S-Bahn: Technische Störung auf der S7, Verzögerungen auf der Stammstrecke

S-Bahn: Technische Störung auf der S7, Verzögerungen auf der Stammstrecke

Der ganze Raum vibrierte

- Das Publikum einhellig hingerissen, in seinen Emotionen angesprochen, aufgewühlt, erhoben - der ganze Zuschauerraum vibrierte. Dabei war es jetzt im Münchner Prinzregententheater "nur" eine Wiederaufnahme: Jochen Schölchs "Das Ballhaus", schon 2003 im kleinen Freimanner Metropol ein Juwel in seiner Regie-Karriere, und jetzt auf dieser großen Bühne noch besser, noch präziser in seiner brillanten Körperkomik und seinem berührendem Ernst. Orkanartiger Jubel am Ende vom ausverkauften Haus. Wenn "Ballhaus" nicht Kult über München hinaus wird, müsste man sich sehr getäuscht haben.

Dieses Stück, nach einer Idee des Thé´â^tre du Campagnol, ist aber auch etwas ganz Besonders. In einen nostalgischen Tanzpalast kommen und gehen die Generationen der Amüsierwütigen: in den 20er-Jahren, in den 30ern zu Beginn des braunen Terrors, im Krieg, die Männer einberufen, die Frauen miteinander tanzend. Bombenterror und Flucht in den Tanzsaal, der nun Luftschutzkeller geworden ist. Dann die feschen Amis mit Kaugummi und Cola, die wirtschaftwunderigen 50er, Mauerbau und -fall, Mondlandung - ein Durchgang durch die (deutsche) Geschichte bis zur aktuellen Disco- und HipHop-Ära. Und das alles ohne ein Wort gesprochenen Textes. Es sind die Blicke und Flirts, die erzählen, die Eifersüchteleien und Partnerwechsel, immer im Takt der schwofigen Walzer, schmachtenden Tangos, Charlestons, Twists, im Rhythmus von Body-ruckendem Funk, Michael Jacksons Moonwalk und schlängelndem "Abbamania"-Dance. Ein Ensemble mit 18 wunderbaren Darstellern Was da vor unseren Augen, Ohren und Erinnerungs-Sinnen abrollt, ist ein ganzes Jahrhundert im Wandel seiner Musik-, Tanz- und Bekleidungsmoden. Und dass die Spezies Zivilisationsmensch sich im jeweils angesagten neuen Outfit auch anders bewegt, dass sich die in Frack und Kostüm gezwängte Körpersprache in Zeiten von Flowerpower oder tiefer Rapperhose mit völlig anderen Zeichen äußert, das zeigt ein wunderbares Ensemble. 18 Darsteller - unter anderem frische Talente der Bayerischen Theaterakademie -, die in Schölchs subtiler Führung nie in platte Komik verfallen. Aber wenn Schölch so scheinbar leichthändig ein Volltreffer gelungen ist, dann auch durch die so kenntnisreich witzige Kostüm-Palette von Andrea Fisser und durch die glänzend zwischen Nostalgie und liebevoller Parodie schillernden Tänze des Choreographen-Duos Johanna Richter/ Michael Schmieder. "Das Ballhaus" - ein Muss! Vorstellungen 18., 20., 21., 26., 28. 10., 19.30 Uhr; 30. 10., 15.30 Uhr. Tel. 089/2185-1970.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Konzertkritik: So war Anathema im Backstage
Einen abenteuerlichen Weg hat die Liverpooler Band Anathema in zweieinhalb Jahrzehnten zurückgelegt: von ruppigem Doom Metal über düsteren Alternative Rock hin zu einer …
Konzertkritik: So war Anathema im Backstage
„Die lustige Witwe“ am Gärtnerplatz: Nachkriegstonfilm 2.0
Franz Lehárs „Die lustige Witwe“ gehört zur DNA des Münchner Gärtnerplatztheaters. Das passende Stück also zur Wiedereröffnung - auch wenn der Abend recht brav ausfällt.
„Die lustige Witwe“ am Gärtnerplatz: Nachkriegstonfilm 2.0
East 17, Rednex, 2 Unlimited und mehr: Mega-90er-Event in der Olympiahalle
Das wird ein Fest für Trash- und 90er-Fans. Gleich sechs Bands, die im Umz-umz-Zeitalter für Furore gesorgt hatten, treten beim Event „Die Mega 90er live!“ in der …
East 17, Rednex, 2 Unlimited und mehr: Mega-90er-Event in der Olympiahalle
Der neue Asterix kommt heute raus - leider fehlt etwas 
Fans dürften den Tag sehnsüchtig erwartet haben: Am Donnerstag kommt der neue Asterix-Band (Asterix in Italien) in den Handel. Wir haben schon darin geblättert - und …
Der neue Asterix kommt heute raus - leider fehlt etwas 

Kommentare