Die ganze Welt reist zu Michelangelo

- Rom - Ein Meer von Schirmen zieht sich über hunderte Meter an der Vatikanmauer entlang. In der schier endlosen Schlange warten koreanische Pauschaltouristen, französische Nonnen, deutsche Familien, Gruppen von Schulkindern. Sie alle wollen ins Museum der Superlative, die meisten sind extra für Michelangelo und die Sixtinische Kapelle angereist. Als "Tempel der Kunst und Kultur" hat Papst Johannes Paul II. die Vatikanischen Museen einmal bezeichnet.

Sie gelten als eine der größten und bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt. In diesem Jahr feiern die "Musei Vaticani" ihren 500. Geburtstag - zum runden Jubiläum strahlen neu gestaltete Sektionen und restaurierte Exponate für das Millionenpublikum um die Wette.

Trotz strenger Sicherheitskontrollen mit Durchleuchtungsgeräten strömen jede Minute zwischen 35 und 39 Menschen in die Museen. Im vergangenen Jahr kamen 3,8 Millionen Besucher, in diesem Jahr werden es Schätzungen zufolge über vier Millionen sein, teilte der Vatikan kürzlich mit. "Für Rom-Touristen ist das ein absolutes Muss: In Paris geht man in den Louvre und in Rom in die Vatikanischen Museen", sagen Fran und Scott aus Boston, die seit gut einer halben Stunde in der Schlange stehen.

Und wegen der schnellen "Abfertigung" am Eingang muss auch kaum jemand länger warten als 45 Minuten. In Zukunft soll es einen neuen Eingang geben, der unterirdisch zu den Ticketschaltern und der beeindruckenden Schnecken-förmigen Treppe im Eingansbereich der Museen führt. Das ist nach Vatikan-Angaben aber bisher nur eine Idee, konkrete Pläne gibt es noch nicht.

Mit einer Messe für sämtliche Mitarbeiter sollten die Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag am Freitag beginnen. Als eigentlicher "Entstehungstag" der Museen gilt der Fund einer MarmorKopie der Laokoon-Gruppe in einem römischen Weinberg am 14. Januar 1506. Dabei handelt es sich um eine wertvolle Replik einer 200 v. Chr. entstandenen griechischen Bronzeplastik, die nicht mehr erhalten ist. Die Skulptur, die die Geschichte des trojanischen Priesters Laokoon erzählt, wurde genau einen Monat später - am 14. Februar 1506 - im Hof des päpstlichen Palastes aufgestellt. Der Laokoon-Gruppe wird im November eine eigene Sonderschau gewidmet, teilte der Direktor der päpstlichen Sammlungen, Francesco Buranelli, jetzt mit.

Auch wird im März das renovierte "Museo Cristiano" mit christlicher Kunst aus den Katakomben und den frühen Kirchen wiedereröffnet, während im Ethnologischen Museum im Juni die Sektion für China, Japan, Korea und die Mongolei den Besuchern den Buddhismus näher bringt. Die zahlreichen verschiedenen Museen in dem Komplex sind so unterschiedlich, vielschichtig und weitläufig, dass Kunstfreunde Wochen brauchen würden, um alle Ausstellungsstücke zu erkunden.

Allein die 1839 von Gregor XVI. gegründeten ägyptischen Sammlungen sind so Aufsehen erregend, dass es Pharaonen-Fans die Sprache verschlägt. Unter anderem kann man hier zwischen wertvollen, herrlich verzierten Sarkophagen aus dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. wandeln. Weltbekannt sind auch die Stanzen des Raffael - die Gemächer von Papst Julius II. (1503-1513) - die seinerzeit mit einem wunderschönen Fresken-Zyklus dekoriert wurden. Ganz zu schweigen von der "Galleria delle Carte Geografiche" mit ihren 40 gemalten Landkarten und dem imposanten Deckengewölbe. "Diesen Saal finden wir fast noch schöner als die Sixtinische Kapelle", meinen die britischen Touristen John und Lorna.

Damit jedoch bilden sie die Ausnahme. Fast alle Besucher, die den Museen jährlich 40 Millionen Euro Umsatz bescheren, kommen seinetwegen: Michelangelo Buonarroti (1475-1564). Vier Jahre lang schuf er unter unsäglichen Mühen und auf dem Rücken liegend sein größtes Meisterwerk, das nach einer fast 15-jährigen Renovierung seit 1994 in neuer Farbenpracht erstrahlt. Allein das Deckengewölbe mit der berühmten "Erschaffung Adams" und den Sibyllen - den schönen Prophetinnen - umfasst 800 Quadratmeter. Und was auch noch alle in guter Erinnerung haben: Am 19. April des vergangenen Jahres wurde Joseph Ratzinger beim Konklave genau an diesem historischen Ort zum Papst gewählt.

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