Garmisch-Partenkirchener Kultursommer: Ralph Benatzkys "Das Weiße Rössl" am Riessersee

Garmisch-Partenkirchen - Wenn einem "der Kopf mit dem Herzen durchgeht", wie Oberkellner Leopold sich ausdrückt, kann die Welt schon mal ein bisschen windschief aussehen. So geschehen im wilden Wer-liebt-wen des "Weißen Rössl am Riessersee" - und das ist kein Druckfehler, sondern der neueste Schlager der Freilufttheatersaison. Termine vormerken.

Denn zu seinem fünfjährigen Jubiläum hat sich der Garmisch-Partenkirchener Kultursommer eine Bühne in den nahe gelegenen Riessersee gezaubert, eine Art Miniatur-Bregenz am verwunschenen Wolfgangsee-Double. Und weil nichts ein zünftigeres Bühnenbild abgibt als eine echte Wettersteinkulisse, hat Thomas Bruner einen riesigen goldenen Stuckrahmen schräg in den Garmischer Alpsee versenkt nebst einem in vielerlei Hinsicht genauso schrägen Papphaus. Heitere Aussichten.

1930 komponierte Ralph Benatzky dem Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg (1896) eine Operette auf den romantischen Rücken. 2007 lässt Georg Büttel sein "Weißes Rössl" als zeitlos junges Musical dahingaloppieren: witzig durchchoreographiert zwischen falschem Tango und falschem Walzer und genüsslich ausgespielt zwischen bayerischer Derbheit, österreichischem Schmäh und italienischem Leichtsinn.

Winfried Frey und Angela Hundsdorfer liefern im resoluten Duell Oberkellner/Rössl-Wirtin von all dem etwas. Für den nötigen, sängerisch brillanten Liebesschmelz aber, schwungvoll begleitet vom GAP-Klassikorchester, sorgen vor allem Alexander Franzen und Barbara Kind als Dr. Siedler und Ottilie. "Det Jeschäft is richtich", mag man da Ambrogio Vinellas Giesecke zustimmen.

Trotz aller ironischer Spritzigkeit: Auf die nostalgischen 30er-Jahre-Kostümchen und Badeanzüge zum "Salzkammergut" und "Schönen Sigismund" will Büttel doch nicht verzichten.

Und apropos Badeanzüge: Um dem bunten Treiben fern vom Ufer neben seinem pointenflutenden Event-Charakter auch noch so etwas wie eine dramaturgische Rechtfertigung zu geben, dreht zu drei Zeiten des Abends ein Schwarm von "Eibseenixen" seine Pirouetten.

Wozu genau, das bleibt auf dem Grund des Riessersees verborgen, doch allein schon um den Kopfsprung in dessen rabenschwarzes, kühles Nass muss man die Synchronschwimmerinnen einfach bewundern.

Nächste Vorstellungen:

Am 31. August, 1., 7., 8. September, 20 Uhr.

Infos unter: 08821/ 730 19 95; www.kultursommer-gap.de. "Rössl"-Pauschale (inklusive Übernachtung, Fiakerfahrt, Dinner): 08821/ 18 07 34.

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