Gartenbau als Kunstwerk

- Wer wohl hat sich schon mal Gedanken gemacht, warum die Inseln im Badenburger See so liegen wie sie liegen? Oder ob sich Uferlinien von stehenden Teichen oder Bächen im Nymphenburger Schlosspark wegen Eisbewegung oder aufgrund von Wellenschlag verändern? Zugegeben, die Mehrheit der Besucher flaniert genüsslich auf der barocken Mittelachse die Zierbeete zum Fontänen-Becken entlang, genießt einfach nur die Herrlichkeit dieses ansonsten natürlich arrangierten, prächtigen, "englisch" konzipierten Landschaftsgartens.

<P>Vielleicht weiß man gerade noch, wer den Schlosspark landschaftlich aus seinem barocken Korsett befreite. Doch was eine Instandhaltung heute so beinhaltet - darüber wird kaum nachgedacht. Mit der Ausstellung "Friedrich Ludwig von Sckell und Nymphenburg - Zur Geschichte, Gestaltung und Pflege des Schlossparks", rückt nun endlich der Gartenbau als Kunstwerk ins Blickfeld, ein Kunstwerk, das gehegt und gepflegt sein will. </P><P>Im historischen Rahmen, dem heute frisch renovierten Geranienhaus - einst eine Auftragsarbeit an den Gartenkünstler Sckell im Jahre 1816 - hat man die Informations-Schau zur Blüte gebracht: Inmitten des lichtdurchfluteten Gewächshauses erhellen beleuchtete Schaukästen den Besucher unter weitem, von der Fensterfront bis zum Fußboden gewölbten Deckenrund. Und nehmen indirekt das Motiv des ummauerten Sckellschen Pflanzenbeetes auf. (Es gedeiht selbst als sogenannter "Lohkasten" am Eingang des Gewächshauses mit einst außergewöhnlich fremdländischen Zierpflanzen.)</P><P>Doch das ist nur eines der vielen Details, die einen richtig schlau machen. Anhand von Nachzeichnungen historischer Entwürfe kann man die verschiedenen Ausführungsphasen von Gewässeranlagen, Bodenmodellierungen oder Wegeplanung dieses großen, begehbaren Landschaftstraumes verfolgen.<BR>Man erfährt vom "Blutenburger Durchblick", jener Sichtbahn, die das Wiesental in nicht enden wollender Länge durchzieht.</P><P> Oder von Ziersträuchern der Sckellzeit sowie vom gezielten Eindämmen vorhandener Baumbestände heute. Man lernt etwas über das Wie des Licht- und Schattenspiels im Wäldchen, die Besonderheit der Auffahrtsallee und der Vorliebe Sckells für Trauerweiden.<BR>Und wer genau hinsieht, entdeckt ihn selbst in seinem "Lehrbuch zur Bildenden Gartenkunst" mit dem Zeichenstock Grundrissformen in den Boden ritzen.<BR><BR> Bis Ende September, Geranienhaus, Schlosspark Nymphenburg, 9-18 Uhr, Tel.: 089/23 06 24 60, Eintritt frei.<BR><BR>MELANIE KLIER</P>

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