Gasteig: Wohlerzogener Gast

- Die Zirkusnummer, wie ungewohnt, gab's an diesem Gasteig-Abend ohne Lang Lang. Und das "Furioso" von Rolf Liebermann (1910-1999) hielt, was der Titel verspricht: ein wildes, effektheischendes Orchesterfutter, das das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks schon im ersten Takt von Null auf 180 brachte.

Die Überraschung danach: Wer erwartet hat, Lang Lang würde Beethovens erstes Klavierkonzert ähnlich angriffslustig spielen wie etwa Martha Argerich, sah sich getäuscht. Lang Lang, ganz wohlerzogener Gast, setzte auf ein betont erlesenes, gar nicht so äußerliches Spiel, schien jedoch -­ manch ansatzlos platzierte Pointe bewies es - ­jederzeit auf dem Sprung.

Seinem Ruf als chinesischer Wundermann wurde er freilich gerecht. Alles, was er sich technisch vorgenommen hat, kann er fast mühelos umsetzen. Mit kristallinem Anschlag operierte Lang Lang gern am unteren Ende des Dynamikbereichs. Die Kadenz im Kopfsatz, obwohl teilweise extrem gedeutet, missbrauchte er nicht zum virtuosen Rasen. Im Largo versprühte er gar impressionistisches Parfüm und stieg mit lässiger Geste ins Finale ein. Problematisch wurde es nur, wo solch Geschmackvolles ins Geschmäcklerische driftete. Wo Deutung durch Pose verdrängt wurde. Wo vegessen wurde, dass Beethovens Opus auch Vehementes, Aufrührerisches verlangt ­ und zutage trat, dass Lang Lang gewiss noch in diese Literatur hineinreifen wird.

Ein Plus freilich: Er schob sich nicht vors Orchester, trat vielmehr in intensive Kommunikation mit Jansons und den BR-Musikern. Der ließ süffig, dennoch transparent spielen, beschränkte sich nicht aufs Begleiten und machte Entwicklungsprozesse plausibel. Abgesahnt wurde nach der Pause: mit einer imponierenden Wiedergabe von Sibelius‘ zweiter Symphonie. Enorm flexibel und klangschön präsentierte sich das Ensemble. Jansons verlor sich nicht im Schwelgen, betonte auch Brüche und Eintrübungen, holte das Geschehen dabei immer wieder ins Kammermusikalische zurück: das eigentliche Ereignis des Abends.

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