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Jean Giraud alias Moebius verstarb mit 73 Jahren in Paris.

Der geborene Zeichner

Es gibt einige Künstler, die das Medium Comic aus der Schmuddelecke geholt und vom Ruf der Lektüre für Kinder oder Analphabeten befreit haben. Einer war der Franzose Jean Giraud, der am Samstag nach langer Krankheit 73-jährig in Paris gestorben ist.

Auch dank seines Werkes werden Bilderzählungen heute als Kunst gewürdigt. Einen „geborenen Zeichner“ nannte sich Giraud einmal. Kein Wunder, dass er bereits mit 16 Jahren Kunst studierte, sich rasch einen Namen als Zeichner und Illustrator machte. Sein Talent als Autor war dagegen überschaubar – und so sind seine eindrucksvollsten Werke jene, die mit einem Texter entstanden sind. „Leutnant Blueberry“ etwa, eine Westernserie, die er von 1966 an mit Autor Jean-Michel Charlier veröffentlichte und die seinen Durchbruch markierte.

Westerncomics gab es damals bereits viele – nach „Blueberry“ erschien dagegen kaum noch Nenneswertes. Giraud vollendete das Genre. Hier arbeitete er großzügig mit dem Tuschepinsel, verzichtete auf akribische Detaildarstellung, konzentrierte sich vielmehr auf weitläufige Panoramen und das Spiel mit der Perspektive. In den Geschichten um einen Soldaten, der seine Abenteuer nach dem amerikanischen Bürgerkrieg erlebt, räumte Giraud der Landschaft eine wichtige dramaturgische Funktion ein. Sie schien die Menschen zu leiten, bot Schutz oder drohte sie zu verschlingen. In den Siebzigern wechselte Giraud das Genre, nun waren fantastische Literatur und Science-Fiction seine Experimentierfelder.

Seine Arbeiten signierte er fortan mit „Moebius“, das Pseudonym hatte er dem deutschen Mathematiker August Ferdinand Möbius (1790 bis 1868) entliehen. Statt zum Pinsel wie bei den Western griff Moebius bei „Arzach“ (1975) und allem was folgte zur Feder: So konnte er flotter zeichnen, mit Schraffuren die Bilder komponieren. Landschaften – anstelle der Weiten der Prärie nun die des Alls – blieben wichtig. Über die Texte ließ sich das nicht immer sagen. Die Geschichten – mit dem chilenischen Autor Alexandro Jodorowsky entstand ab 1980 etwa „John Difool“ – waren stellenweise wirr und anstrengend, doch optisch stets überwältigend: Moebius wollte Sehgewohnheiten sprengen. Das wiederum machte ihn für die Filmindustrie interessant. Zwei Beispiele: Für „Alien“ von Ridley Scott entwarf er 1979 die Raumanzüge, und Luc Besson heuerte ihn 1997 als Produktionsdesigner für „Das fünfte Element“ an. Auf dem Internationalen Comic-Salon in Erlangen wurde Giraud alias Moebius im Jahr 2000 für sein herausragendes Lebenswerk geehrt: Er habe „Glanzpunkte des Erwachsenencomics“ geschaffen. Diese werden lange noch leuchten.

Von Michael Schleicher

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