Geduldige Ohren

- Materialermüdung gibt es nicht nur bei Autoreifen, auch Klangmaterial kann sich mit der Zeit abnutzen. Wenn unter den Stücken, die das Ensemble Resonanz aus dem Notenkoffer holte, ausgerechnet der Oldtimer "Syrmos" _ 1959 von Iannis Xenakis für 18 Streicher komponiert _ den frischesten und lebendigsten Klangeindruck hinterließ, sollte man sich als Komponist einmal grundsätzliche Gedanken über Vokabular und Sprache machen.

Auch wenn man nicht gleich eine Krise der zeitgenössischen Musik heraufbeschwören muss, bleibt eins zu sagen: Richtig spannend ging es beim letzten Konzert der musica viva im Carl-Orff-Saal nicht gerade zu. Das nicht zu Unrecht mit hervorragenden Referenzen ausgestattete Hamburger Ensemble Resonanz hat schon zahlreiche Uraufführungen bestritten.

Eine gab es unter der Leitung des versierten Johannes Kalitzke auch an diesem Abend: "Blinder Fleck" für Mezzosopran, Trompete und Streicher von Carola Bauckholt, in Besetzung und Farbton korrespondierend mit Caspar Johannes Walters 2002 entstandener Komposition "Angst und Ahnung". Mit der Sängerin Truike van der Poel und dem Trompeter Reinhold Friedrich zusammen spielte das Streicherensemble ernsthaft hingegeben, konnte aus Steinen aber auch kein Wasser quetschen.

Hatten Walters Operationen im Feinstgewebe der Harmonie noch ihren Reiz, musste man das Werk bei Bauckholt hinter den zahlreichen Effekten erst einmal suchen. Das Grotesk-Komische des Anfangs - der "Pfiff" - verliert sich schnell, um einer Art kompositorischen Einerlei Platz zu machen. Schon spannender war Kumiko Omuras mit Raumklängen spielendes Stück "Synapse" (mit antiken Zymbeln); weniger spannend: Michael Gordons musikalischer Graupelschauer "Weather I", Minimalismus für geduldige Ohren.Stephan Schwarz

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