Gefährlicher Paarlauf

- Was machen, wenn die Ehe in die mittleren Jahre gekommen ist und Kinder, Hypotheken und der wöchentliche Speisenplan das Sexleben etwas abwelken ließen? Durchhalten oder den abenteuerlichen Reiz des Neuanfangs wagen? Diese klassische Problemfrage ist Kernpunkt von Donald Margulies' "Freunde zum Essen": ein gut, vor allem anti-boulevardesk ernsthaft geschriebenes Stück, 2001 verfilmt mit Andy McDowell und Dennis Quaid, Bühnenhit off-broadway und inzwischen auch in Europa. Jetzt holte sich Münchens Komödie im Bayerischen Hof Dietmar Pflegerls erfolgreiche Inszenierung am Renaissance Theater Berlin.

Eine hochkarätig besetzte Feinschliffangelegenheit. Kein Abend zum Ablachen. Hier gibt es nicht die für Ehekomödien sonst genretypischen Täuschungsmanöver, Missverständnisse und nervkitzelnden Spannungsmomente. Das Stück beginnt dort, wo andere enden: mit der Auflösung. In der trendigen Alu-Küche & Essen-Kombination, wo Karen und Gabe gerade die Freundin Beth mit lukullischen Genüssen verwöhnen, vom Italienurlaub und Rezepten schwärmen, platzt es aus Beth heraus: Ihr Tom treibt es mit einer Stewardess, will die Scheidung. Ein Schock für die Gastgeber, die Beth und Tom einst in liebevollst-freundschaftlicher Absicht verkuppelt - im Stück nachgeholt in einer urlaubsbunten Rückblick-Szene - und zwölf Jahre lang die kleinen und großen Freuden des Alltags mit ihnen geteilt haben. Ja, ein Betrug - was uns Europäer allerdings eher ein bisschen exotisch anmutet. Hier muss man die amerikanische Tradition des nachbarlichen Zusammenhalts miteinkalkulieren, das jüdisch-moralische Großfamiliengefühl, mit dem Margulies aufgewachsen ist. Dann empfindet man das, was nun folgt, weniger als, ja doch, akademische Ausbreitung zweier Lebensentwürfe: hier das in heimeliger Harmonie eingerichtete Paar, dort der Chaos hervorrufende Ausbrecher - der natürlich bei den anderen Zweifel sät

Flucht aus der Harmonie

Und da ist Gerd Wameling, sowieso ein Distanz-zur-Rolle-Darsteller, ein Meister der Doppelschichtigkeit. Unter der Empörung über den abtrünnigen Tom lässt sein Gabe mit hinreißend untergründiger Komik den eigenen Ausbrecherinstinkt mitschwingen und gleichzeitig die heroische Bekämpfung desselben. Sehr natürlich-bodenständig Maria Hartmanns Karen. Apart exzentrisch mit ihrem manchmal durchkommenden US-Akzent Sona MacDonald als Beth. Winfried Glatzeder kann seinen Tom wegen Beths Sexentzug und mit treuem Hab-mich-lieb-Blick reinwaschen. Margulies urteilt nicht. Und wie hier in sehr attraktiver Ausstattung Pro und Contra lebensnah durchgespielt wird, ist einen Besuch wert.

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