Gefällige Rhythmen

- Beim diesjährigen Münchner Klaviersommer wird wieder mit der Bayerischen Staatsoper kooperiert, die im Rahmen ihrer "Festspiel +"-Reihe zum Jazz-Nachtkonzert ins Nationaltheater einlud. Zu Herbie Hancock und seinem Quartett mit Bobby Hutcherson, Vibraphon, Scott Colley, Bass, und Terri Lynne Carrington, Drums, fand sich ab 22.30 Uhr ein überwiegend junges Publikum ein.

<P>Auffallend war, dass sich Herbie Hancock im Bemühen, Altmeister Bobby Hutcherson groß herauszubringen, so zurücknahm, dass sein Pianospiel oft vom virtuosen Vibraphon übertönt wurde. Hancock, der als reflektiert-introvertierter Noten-Grübler gilt, widmete sich, mit dem Rücken zum Publikum spielend, ganz seinen Mitstreitern und gab diesen viel Entfaltungsmöglichkeit. Er lieferte mit seinem Ensemble ein zweistündiges, wohl durchdachtes Spiel gefälliger Rhythmen, deren samtige Klänge gut in den schwarzen Bühnenraum passten. </P><P>Wie jedes perfekte Gewebe bot dieser Klangteppich eigentlich keinen Grund zur Kritik, aber der Gesamteindruck war einförmig und ohne Tiefe. Einzige Ausnahme: die Soli von Schlagzeugerin Terri Lynne Carrington. Angenehm zurückhaltend und virtuos spielte Scott Colley seinen Bass, und Bobby Hutcherson hatte offensichtlich Freude an seinem famosen Spiel.</P><P>Das einzige Stück, das Hancock anmoderierte, trug den Titel "November", und auf den launigen Publikumszuruf "What's with July", antwortete Hancock in Englisch: "Wenn wir im November noch mal eingeladen werden, spielen wir Juli." Hoffentlich ist dann vom Meister selbst mehr zu hören.<BR><BR></P>

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