Gefallene Frauen und tugendhafte Gattinnen

- Liederabende sind meistens eine ernste Sache. Das Pathos einmal zu unterwandern, bedarf es der rechten Mischung aus Respektlosigkeit und Witz. Kein Problem für Dame Felicity Lott und ihren Klavierpartner und Dramaturgen Graham Johnson.

Was sie unter der Überschrift "Gefallene Frauen und tugendhafte Gattinnen" im Prinzregententheater präsentierten, das beweist, dass emotionaler Tiefgang und ironischer Augenaufschlag einander nicht ausschließen müssen. Lott zelebriert beides mit glockenkräftig-sicherem Sopran und unbändiger Spiellust: Selbst ein scheinbar rokoko-harmloses Strophenlied wie Joseph Haydns "Die zu späte Ankunft der Mutter" wird durch Lotts feine Text-Nuancierung zur vergnüglich-anzüglichen Miniaturszene.

Für Mozarts "Die Alte" hat die Sängerin eine Lorgnette mit auf die Bühne gebracht. Und im "Lied der Spinnerin" des britischen Komponisten Noel Coward (1899-1973) mit seiner garstigen Schubert-Parodie am Anfang markiert sie mit weit ausholenden komischen Gesten das sich drehende Spinnrad und seine technischen Tücken. Ernstes steht geistvoll-widerspruchslos daneben: die Jungmädchen-Emphase in Schumanns "Lied der Braut II", die unter Tugendhaftigkeit verschüttete Leidenschaft in Albert Roussels großartiger "Antwort einer klugen Gattin". Da zerfließt der strenge Ton des Liedes zu zartem, dissonantem Nebel. Graham Johnson erweist sich am Flügel als souveräner Gestalter, präzise gemeißelte Linien und Einwürfe werden zu Kommentaren, die denen der Gesangsstimme ebenbürtig sind.

Nach frivolem Ausklang mit Oscar Straus' "Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben" fünf Zugaben, die noch einmal alle Facetten des Abends Revue passieren ließen.

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