Gefühle für zwei Euro

- Was wäre geschehen, wenn Andersens Märchenfiguren die richtige Kleidung getragen hätten? Wie bekleidet man sich mit der Nacktheit eines anderen? Und wo sitzt eigentlich der Reißverschluss an einem Regal?

<P>Mit solchen Fragen beschäftigt sich der vierte Designparcours München unter dem Motto "angezogen?!". 85 junge Designer infizieren auch dieses Jahr wieder mit künstlerischen Neuschöpfungen in Ausstellungen, Modenschauen und Performances zehn Tage lang die ganze Stadt. Wer ab heute bis 12. Juni an einem Laternenpfahl den magnetischen Button mit der Aufschrift "anziehend" antrifft, befindet sich schon auf dem richtigen Weg - zu einem von 47 Ausstellungsorten.<BR><BR>Vom Treffpunkt in den Kunstarkaden aus (Sparkassenstr. 3-5, Mo.-Sa. 11-20 Uhr; Mi., 11-18 Uhr; So. 12-18 Uhr) kann die persönliche Designtour gestartet werden. Sie führt zur zentralen Modenschau im Bayerischen Nationalmuseum (7. Juni, 22 Uhr, 7 Euro). Oder sie macht Halt, um ein ganz besonderes Fotoarchiv aufzuspüren: die Ausstellung "Wahre Bilder - Ware Bilder" in den Kunstarkaden, die nur für die Dauer des Designparcours die neu erworbene Retro-Sammlung der "Photo Agentur Schweitzer" mit rund 300 000 Originalfotografien aus über 50 Jahren Society und Mode präsentiert. Zwischendurch sollte man in der "annapril"-Bar (Blumenstr. 17) ein Päuschen einlegen. Dann kann frisch gestärkt mehr als ein Blick ins "Forum Junges Design" in der Lothringerstr. 13 geworfen werden (tägl. 13-20 Uhr). Hier stellen neun Mode-, neun Kommunikations-, vier Medien-, zwei Foto-, acht Industrie- und zwei Interior-Designer aus Bayern - alle dürfen nicht länger als vier Jahre selbstständig sein - ihre ausgefallenen Interpretationen zum diesjährigen Thema vor.<BR><BR>Wer sich ärgert, dass er daheim nie genug Kleiderbügel hat, sieht jetzt zu viele davon: In der "lothringer dreizehn" hängen 11 000 Stück als transparente Trennwände von der Decke, gebogen und ineinander gehakt, die exquisite Ausstellungsarchitektur "Bügelfalten" der FH Rosenheim. An ihnen vorbei gelangt man zu eben jener Survival-Märchenmode von Luxusbaba, zur Nacktheits-Installation "neue kaiser" von designsache victor, zu Michael Sarreiters innenarchitektonischen Modedetails. Ein Novum der 2005er-Schau ist die Teilnahme dreier internationaler Stipendiaten der Villa Waldberta in Feldafing. Ihre Arbeiten in Mode-, Textildesign und Modefotografie stehen im engen Bezug zu ihrem Aufenthalt in München.<BR><BR>Das Innere farbig nach außen kehren</P><P>"angezogen?!" kann vielerlei bedeuten auf solch einem Parcours: Es kann die vormals abgestreiften Turnbeutel-Erinnerungen wieder aus dem Schrank kramen wie Ilona Ruffs Modelabel ZEBRAtOD; es kann das Innere farbig nach außen kehren wie Simone Willfahrts Linksherum-Kollektion von Simi-go. Auch zieht so ein Motto Emotionen an, wie der "hab & selig-Automat" mit Knopfdruck-Gefühlen für zwei Euro beweist. Und wer sehen will, kann auch noch hören: Sogar Musik und Texte üben Kräfte auf Mode und Design aus. In der "TextilSound-Performance" von [ragtreasure] am 5. Juni, 17.30 Uhr, gibt es eine verstärkte Nähmaschine.</P><P>Bis 12. Juni. Info: 089/ 55 29 98 42; www.designparcours.net.<BR><BR></P>

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