Gegen ein angestaubtes Deutschlandbild

- Diese Idealfälle wünscht man sich doch: Das Projekt mit dem gewaltigsten Aufwand und dem größten Prestige kostet den deutschen Steuerzahler keinen Cent, wirft womöglich sogar eine siebenstellige Summe ab. Beim Japan-Gastspiel der Bayerischen Staatsoper hat sich solch Glückliches gefügt. Die drei Opernproduktionen bilden einen Höhepunkt des Aktionsjahres "Deutschland in Japan", und bezahlt hat die Tournee in vollem Umfang der private, örtliche Veranstalter.

Insgesamt 1350 Projekte, darunter knapp 800 im kulturellen Bereich, wurden zu diesem Aktionsjahr zusammengefasst, um den Japanern ein aktuelles, klischeefreies Deutschland zu zeigen. Vorträge und Buch-Präsentationen zählen dazu, aber eben auch ruhmreiche Orchester- und Theatergastspiele. Einer der ersten Programmpunkte war übrigens im April die Biermösl Blosn.

Dringend notwendig ist so eine Initiative, glaubt man Uwe Schmelter, Chef des Goethe-Instituts in Tokio. "Deutschland genießt in Japan einen außerordentlich guten Ruf." Dennoch handele es sich um ein "arg angestaubtes Deutschlandbild" vor allem bei jungen Leuten. "Unser Land gilt da als außerordentlich langweilig, die mentale Musik wird eher in den USA gespielt." Dass Porsche und Hugo Boss deutsche Produkte sind, wüssten die wenigsten, Oktoberfest und Neuschwanstein bestimmten weiterhin das Klischee, sagt Schmelter.

Nicht nur Maultaschen

Italiener und Franzosen hätten es viel leichter, entspreche doch das traditionelle Image von der Mode bis zur Mahlzeit auch der aktuellen Realität. Dass Schwarzrotgold auch anders kann, wolle man mit dem Deutschlandjahr demonstrieren. Unter anderem mit dem Jungen Deutschen Film oder mit Videokunst sowie einer "deutschen Lifestyle-Party" zum Auftakt, auf der neben Maultaschen auch "Designerfood" und flotte Rhythmen offeriert wurden.

Das Goethe-Institut versteht sich bei alledem weniger als Veranstalter, vielmehr als Bündel- und Begleit-Instanz. 2,5 Millionen Euro hat dafür das Auswärtige Amt locker gemacht. Und auch für die WM 2006 ist vorgesorgt: mit einem zweisprachigen Fußballkalender, der nicht nur Spielergeburtstage verzeichnet, sondern auch die japanische Übersetzung wichtiger Sätze wie "Die pennen doch!" oder "Mann, hat der einen Hammer!"

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