Gegen die Bewegungslosigkeit

- Der Schulanfang steht vor der Tür. Und da überlegt sich so manche Mama, ob sie ihr Kind, das nicht aufzuhaltend bei jeder Musik durch die Wohnung wirbelt, jetzt auch zum Ballettunterricht schicken soll. Aber ist der nicht ungesund, mit seinen auswärts gedrehten Füßen und für Mädchen noch diese Folter auf Spitze? Derartige Zweifel werden weggeblasen durch ein soeben erschienenes Buch "Alle Kinder tanzen gern".

<P>Katja Schneider, Redakteurin der Zeitschrift "tanzjournal" und selbst praktizierende Tanzpädagogin, hat aus erzieherisch-gesellschaftskritischem Engagement - die zunehmende Unbeweglichkeit und schon jugendliche Übergewichtigkeit im PC-Zeitalter - mehr als einen gewöhnlichen Ratgeber vorgelegt: Mit medizinischen Fakten und einer Fülle von positiven Beobachtungen aus dem Unterricht überzeugt sie, dass Tanzen ein Urbedürfnis und für Körper und Seele heilsam ist.</P><P>Und es muss ja nicht immer Ballett sein. Die Autorin stellt aktuell gängige Tanzformen vor, vom Ballett bis zur Akrobatik und Pantomime, vom Jazz-, Modern, Tap-, Street- und Videoclip-Dance bis zu Gesellschafts-, Folklore- und Kampftanz, inklusive kurzem Abriss ihrer historischen Entwicklung. Sie gibt Tipps, wann man mit welcher Disziplin beginnen sollte (Spitze erst, wenn die Mittelfußknochen verknöchert sind, generell nicht vor dem zwölften Geburtstag), wie oft pro Woche zuträglich und welche Bekleidung praktisch ist. </P><P>Dies alles auch mit abwägend kritischem Blick, der den Leser immer wieder aufmerksam macht auch auf mögliche Unterrichts-Risiken wie Fehlverhalten von Lehrern oder die Verletzungsgefahren professionell trainierender Tanzstudenten. Auf Anhieb spürbar: Hier spricht jemand aus der Praxis heraus und kann seine Erkenntnisse journalistisch geschult auch in eine klare Sprache fassen.</P><P>Den Hauptakzent legt Katja Schneider auf den kreativen Kindertanz. Und so liebevoll anschaulich, wie sie Stundenmodelle erstellt, wie sie von der "Fußraupe zum Rückentango" Spiel- und Lernbeispiele schildert, können Eltern da direkt ihren eigenen Heim-Tanzunterricht beginnen - den die Autorin selbst übrigens wärmstens empfiehlt (Kapitel "Wilder Galopp und Schmusetanz"), wie auch den längst in manchen Studios angebotenen "Tanz für Kinder & Eltern". </P><P>"Gehirn-Tanz" für Körper und Geist</P><P>Überzeugend ist sie besonders dann, wenn sie Beweis führt, dass tänzerisch eroberter Gleichgewichtssinn, Raumgefühl, Rhythmus und Koordination so wirkungsvoll zugleich das kindliche Selbstbewusstsein,<BR>die Fähigkeiten des sozialen Miteinanders schulen und entwickeln - und letztlich auch das Denken. Ein "Gehirn-Tanz", komponiert aus den acht Bewegungsmustern, die das Kind im Mutterleib und während des ersten Lebensjahres durchläuft. </P><P>Mit diesen Bewegungen wird nämlich in den ersten zwölf Lebensmonaten das zentrale Nervensystem vernetzt. In raschem Durchlauf sitzend, liegend oder stehend ausgeführt, sollen diese Übungen auch bei Erwachsenen, nach langem Sitzen am Computer zum Beispiel, wieder körperliche und mentale Fitness bewirken. Ein Buch also im doppelten Sinne für "Kinder & Eltern". </P><P>Katja Schneider: "Alle Kinder tanzen gern". <BR>Beust Verlag, Wiesbaden, 191 Seiten; 12,95 Euro.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
Der König ist tot, es lebe der König! Was Elvis Presley zu Lebzeiten nie schaffte, nämlich ein Konzert in München zu geben, das holte er jetzt nach: die Konzertkritik …
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Zum neunten Mal bietet der Münchner Merkur in Zusammenarbeit mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ein Konzertabo an. Vier hochkarätig besetzte Abende …
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Klaus Florian Vogt: „Ich bin gerne in einer anderen Welt“
Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt steht vor dem härtesten Brocken seiner Karriere: Am Sonntag debütiert er als Tannhäuser - dies in einer Neuproduktion an der Bayerischen …
Klaus Florian Vogt: „Ich bin gerne in einer anderen Welt“

Kommentare