Gegen den Raubbau

- Da wird Dieter Borchmeyer, dem Präsidenten der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (München), niemand widersprechen. Er nutzte die Jahressitzung am Freitag dazu, öffentlich das "fraktionsübergreifende Banausentum" der Politik anzuprangern. Borchmeyer, Ordinarius für Neuere deutsche Literatur- und Theaterwissenschaft an der Universität Heidelberg, ging mit der Kultur- und Bildungspolitik des Freistaats und des Bundes scharf ins Gericht.

Bayern, so der Professor, der im Namen der Akademiemitglieder sprach, sei "längst keine glückliche Insel der Kultur mehr". Anhand von Beispielen aus den Bereichen Musik, Theater, bildende Kunst und Literatur belegte er die Folgen regionalen und nationalen Raubbaus an Ausbildung, Wissenschaft und Kultur. Und er machte auch keinen Hehl daraus, was die Akademie von der zunehmenden Ökonomisierung der Hochschulen hält. Man müsse sich fragen, "ob Deutschland wirklich noch ein Kulturstaat ist und es überhaupt sein will".

Die Akademie werde diesen Negativentwicklungen offensiv entgegenwirken und im Dialog mit Politik und Gesellschaft in allen Kunstsparten die Zukunftsfähigkeit von Kultur und Bildung thematisieren. "Die Zeit falscher Bescheidenheit ist vorbei", so Borchmeyer. Er kündigte an, dass der Kanon der Schönen Künste in Kürze um die Abteilung "Film- und Medienkunst" erweitert werden solle. Die Mittel dazu erwarte man vom Freistaat, "der inzwischen nur noch die Infrastruktur der Akademie fördert". Die hochkarätigen Veranstaltungen der bisher vier Abteilungen der Akademie werden fast aussschließlich aus Mitteln der Friedrich-Baur-Stiftung finanziert.

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