Gegend die Hektik der Zeit

- Was für Geschichten und Spielchen erfinden wir in unseren Liebes- und sozialen Beziehungen - um uns zu tarnen, um gemocht zu werden, um die Kontrolle zu behalten über die anderen, über uns selbst? Solchen "Versteckspielen" auf der Spur ist die Amerikanerin Mia Lawrence in ihrem zweiten von der Stadt München unterstützten Stück "Hide and seek". Eine durchdachte Arbeit, spröde, ganz im "armen" Präsentationsstil der New Yorker Judson Church Bewegung der 60er-Jahre.

<P>Dort liegen Mia Lawrences Wurzeln. Sie tanzte bei Stephen Petronio, der wiederum Tänzer bei der berühmten Postmodernen Trisha Brown war, Mitbegründerin 1962 des Judson Church Dance Theaters. Im unbarmherzig nüchternen Licht (& Bühne: Jeanluc Ducourt) ist die Muffathalle zur Probebühne geworden. Auf dem schwarzen Tanzfeld zwei Stühle, die obligatorischen Wasserflaschen, die Trainingstaschen der beiläufig sportlich gedressten "Versteckspieler": Lawrence, Ludger Lamers, die Asiatin Michele Yang, drei glänzende Beweger.</P><P>Während Yang meistens alleine mit ihren eigenen Körper-Vermessungen und hingepusteten Gesten beschäftigt ist, spielen L & L weit in den Raum hinein Nachlauf, treffen sich für pointiert ineinander hakelnde Duette. Und sitzen sich entfernt diagonal gegenüber, reden abwechselnd in ihre Mikrofone, immer kreisend um das gesetzte Thema, widersprechen und überlappen sich.</P><P>Diese Eigenbau-Texte, gewiss nicht hochliterarisch, dienen der Lawrence als thematisches Transportmittel - das sich sogar gelegentlich mit der Bewegung trifft: "Kannst du mich sehen", fragt sie, wenn sie in einer eng verstrickten Zwillingsfigur mit der Gefragten gerade Rücken an Rücken steht. Sie dienen ihr aber auch als zweite Akustik-Ebene zu den knisternden, dumpf kullernden, knirschenden Geräuschen (von Gyu Yarden). Sinnlichkeit, wenn überhaupt bei der einsiedlerisch kargen Lawrence, ist zu suchen in eben dieser Schichtung von Sound und Bewegung. Lawrence, Meisterin der Kontakt-Improvisation - nicht neu, nicht spektakulär. Aber höchst ernsthaft in ihrem nachdenklichen Timing gegen die Hektik der Zeit.<BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wiener Tatort-Star Adele Neuhauser: „Ich bin mir lange im Weg gestanden“
Die Wiener-Tatort-Kommissarin Adele Neuhauser erzählt im Interview von ihrer Autobiografie. Mutig aber nicht voyeuristisch - so sollte ihr Buch werden. Nun wird bereits …
Wiener Tatort-Star Adele Neuhauser: „Ich bin mir lange im Weg gestanden“
Konzertabbruch: So krank war der Jamiroquai-Sänger wirklich
Es war eine „Stimmbandentzündung mit Aphonie“ (Stimmverlust), die Sänger Jason „Jay“ Kay von Jamiroquai zum Abbruch des Konzerts am Donnerstagabend in der fast …
Konzertabbruch: So krank war der Jamiroquai-Sänger wirklich
Diane Kruger: „Dieser Film hat mein Leben verändert“
Es sei die intensivste Rolle ihrer bisherigen Karriere gewesen, sagt Diane Kruger. Belohnt wurde die 41-jährige Deutsche, die seit 25 Jahren in den USA lebt, in diesem …
Diane Kruger: „Dieser Film hat mein Leben verändert“
Neu ergänzt und wie neu gehört: Mozarts Requiem mit René Jacobs
Schon wieder ein Mozart-Requiem auf CD? Wenn man es so aufregend deutet und eine so überzeugende Neufassung bietet wie René Jacobs - unbedingt!
Neu ergänzt und wie neu gehört: Mozarts Requiem mit René Jacobs

Kommentare