Geheimnis der Puppen

- Altägypten war eine Insel. Dieser Eindruck entsteht, bedenkt man, wie separiert vom afrikanischen Kontinent jene Welt der Götter und Pharaonen immer betrachtet wurde. Sylvia Schoske, Direktorin des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst München, hat nun in Zusammenarbeit mit der Ethnologin Christine Stelzig und dem Direktor des Ägyptischen Museums Berlin, Dietrich Wildung, einen "ersten Versuch" zu einem "Dialog zwischen Ägypten und Afrika" gewagt: die Ausstellung "Ritual oder Spiel?"

<P>Ein kleiner Raum, in dem zwei Welten aufeinander stoßen und miteinander bestehen. In dem man sich längere Zeit aufhalten kann und muss, weil er dem Besucher keine Behauptungen, nur Anregungen bietet. Die Exponate, "repräsentativ für die kulturelle Vielfalt und künstlerische Kreativität zahlreicher Ethnien", sind altägyptische Figuren und afrikanische Puppen. Gibt es Parallelen zwischen den stets weiblichen Grabbeigaben auf der einen und dem Spielzeug oder den Ritualgegenständen auf der anderen Seite, welche die geografische und vor allem zeitliche Distanz tausender von Jahren vergessen lassen?<BR><BR>Wo liegen die Wurzeln der flachen Holzstatuette aus Nigeria oder der Wachsfiguren aus Mali? In einer Mutter-Kind-Darstellung, die um 1500-1400 v. Chr. aus Holz und Keramik hergestellt wurde? Was unterscheidet die noch 300 Jahre ältere Spiegelkopf-Skulptur aus Ägypten, Symbol für Sonne, Jugendlichkeit und Regeneration, von denen aus Ghana? Nur, dass jene aus Kupfer und Bronze, diese aus mit Perlen und Stoff geschmücktem Holz bestehen.<BR>Nicht alle Parallelführungen sind so einleuchtend wie diese. </P><P>Die "Versuchsanordnung" lässt offen, ob das Experiment für den Einzelnen funktioniert oder nicht. Die Schau sorgt für die notwendige Umgebung: ausführliche Beschreibungen der afrikanischen Stämme, dazu Märchen, Fabeln, Lieder und Zaubersprüche in einer Audio-Begleitdokumentation, um tiefer in die Kulturen der beiden Welten eintauchen zu können. Ein ganz eigenes, innovatives Konzept, in welchem dem Betrachter dennoch manches Mal die Führung durch die vielen und vielfältigen Ausstellungsstücke fehlt zurück zur ausschlaggebenden Idee, und sei es jeweils auch nur eine kleine Anleitung zu diesem spannenden (Selbst-)Versuch.</P><P>Bis 12. September; Katalog: 9,90 Euro; Tel. 089/ 29 85 46.<BR></P>

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