Geheimtreppe zur Kunst

- Er war schon ein rechter Eigenbrötler, der Münchner Malerfürst Franz von Stuck. Und wer seine Villa betrat, bekam eine Kostprobe: Der Briefträger musste die Post durch ein Medusenhaupt einwerfen. Gäste schritten über einen Mosaikfußboden, dessen Darstellungen das Böse abhalten sollten. Überhaupt zog sich Stuck in seinem selbstdarstellenden Prachtbau privat lieber zurück _ in ein eigenwilliges Refugium, der Öffentlichkeit unzugänglich.

<P>Damit ist jetzt Schluss. Nicht auf brüske Weise, sondern in einer Art, die Staunen macht. Wie weit die umfassende Sanierung und Umwandlung der ehemaligen Wohn- und Künstlervilla zum funktionsfähigen, planerisch durchdachten Ausstellungs- und Museumsbau fortgeschritten ist, lässt sich sehen. Besonders an den abgeschlossen Bauarbeiten in den neuen Ausstellungsräumen, dem ursprünglichen Wohntrakt. Dort, wo Franz und seine Frau Mary schliefen, sich umkleideten und badeten, sind die Tapeten ab (auch die Museumsrestauration unter Hans-Joachim Ziersch in den 60er-Jahren hatte noch auf Dekoratives gesetzt), ist der Prunk des Einstigen zurückgenommen: weiße Wände, freigelegte Reliefs und Friese.</P><P>Dass hier alle Wände "schweben", von der Decke hängen, ahnt keiner. Auch nicht, dass alle Holz-Decken mit Stahlträgern verstärkt wurden (60 Tonnen). Und schon gar nicht, dass die längste Stütze mit zehn Metern behutsamst integriert werden musste, damit wortwörtlich nicht der "Stuck" von der Wand bröckelte. In der Tat, das Baureferat, das Kulturreferat, das Museum und die Architekturbüros Kiessler & Partner, Burmeister, Wallnöfer & Partner sowie die Denkmalpfleger haben ganze Arbeit geleistet. Bis in den Keller, der als Souterrain drei Räume beherbergt, mit Oberlicht und Blick in die Eingangshalle. Die Zukunft hier heißt für 2005: eine Schau von lichtempfindlicher Buchkunst und Jugendstil-Zeitschriften.</P><P>Und noch etwas sei nicht vergessen: die Art der Erschließung. Stucks einstige Geheimtreppe ist als charmante, sich nach oben schraubende Verbindung von Kunst zu Kunst genutzt. Dieser Zugang sowie das Treppenhaus mit Aufzug und eine weitere Türe schaffen die Möglichkeit, die Villa Stuck unterschiedlich zu bespielen: Raume für komplexe historische Rundgänge zuzuschalten oder für Einzelausstellungen zu separieren.</P><P>Mi.-So. 11 bis 18 Uhr, Tel. 089/ 54 55 51 12.</P>

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