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Es geht immer um die Freiheit

- Central Park? Ein goldener Strom aus Toren mit Stoffbahnen? Hunderttausende Besucher, ein Riesenerfolg? "Ach, das ist doch längst vorbei", sagt Jeanne-Claude. Ganz so, als ob ihre Großinstallation in New York nicht erst vor ein paar Monaten weltweit bejubelt wurde. "Wir reden nicht gern von Vergangenem, sondern viel, viel lieber über die Zukunft."

Heute werden Christo und Jeanne-Claude zusammen 140 Jahre alt. Und wenn sie von der Zukunft reden, dann meinen sie den Arkansas River. Eine 10,7 Kilometer lange Wegstrecke des Flusses soll - wen wundert es? - verhüllt werden. Entstehen sollen, wie die Künstler es beschreiben, "glänzende Wogen aus Gewebe drei bis sieben Meter über dem Flussbett". Jeanne-Claude: "Wir haben noch keine Vorstellung, wann es soweit ist." Sicher ist nur eins: Sie werden weiter zusammenhalten. Sie könnten jeden Unzertrennlichkeits-Wettbewerb gewinnen, seit sie sich 1958 in Paris kennen und lieben lernten. Ein wenig mag am Anfang das Erstaunen eine Rolle gespielt haben, als Christo und Jeanne-Claude feststellten, dass sie am selben Tag des selben Jahres auf die Welt gekommen waren, am 13. Juni 1935.<BR><BR>Nach Paris kamen sie aus zwei ganz unterschiedlichen Ecken der Erde. In Gabrovo stand die Wiege des bulgarischen Industriellensohnes Christo Wladimirow Jawatscheff, der 1956 - versteckt in einem Güterwagen - in den Westen floh. Jean-Claude Denat de Guillebon, die Tochter einer französischen Offiziersfamilie, wurde in Casablanca geboren. Seit 1964 leben sie in New York. In seinem einfachen, von bröckligen Mauern eingerahmten Atelier in der fünften Etage einer ehemaligen Fabrik im Süden von Manhattan hat Christo die meisten seiner Großinstallationen entworfen. Jeanne-Claude führt ein Stockwerk tiefer vom gemeinsamen Appartement aus Regie.<BR>Für das Künstler-Duo ist die Eigenfinanzierung eisernes Arbeitsprinzip. Sponsoren lehnen sie grundsätzlich ab. Auch Zuschüsse aus staatlichen Kassen. Allein aus dem Skizzenverkauf finanzieren sie ihre Kunst. Nur so glauben sie verhindern zu können, dass ihnen irgendjemand hineinredet.<BR><BR>"Bei unserer Arbeit geht es immer um die Freiheit", sagte Jeanne-Claude einmal. "Sie ist der Feind von Besitz und Dauerhaftigkeit." Rund zwei Wochen waren ihnen stets genug. 14 Tage dauerte 1995 die "Verpackung" des Reichstags in Berlin. Zwei Tage mehr gestanden sie zehn Jahre später ihren "Gates" im Central zu.

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