Es geht nur der Königsplatz

- Das passiert nicht alle Tage. In seltener Übereinstimmung hat sich gestern der Kulturausschuss der Stadt München über das weitere Vorgehen in Sachen NS-Dokumentationszentrum geeinigt. Vorangegangen war die für die Stadt peinliche Situation, dass von einer von ihr berufenen Gutachtergruppe am Ende zwei Expertisen vorlagen _ mit unterschiedlicher Ausrichtung (wir berichteten). In den Fragen der inhaltlichen Konzeption des Dokumentationszentrums entschied man sich inklusive OB Christian Ude (SPD) und Kulturreferentin Lydia Hartl parteienübergreifend für die gutachterliche Stellungnahme Winfried Nerdingers. In seinem Papier heißt es u.a.: "Im Dokumentationszentrum darf der Nationalsozialismus nicht zu politischen Zielen instrumentalisiert, sondern es soll kritische Aufklärung unter dem Leitthema ,Wie konnte es passieren? betrieben werden. Es handelt sich um einen Lernort und kein Museum."

<P>Nun sollte schnellstens der nächste Schritt erfolgen. Und den muss der Freistaat tun. In diesem Punkt will sich jeder im Kulturausschuss Siegfried Benker (Grüne) anschließen, der sagt: "Der Freistaat muss sich zum Standort bekennen." Und der kann nur der Königsplatz sein.</P><P>Christian Ude äußert sich deutlich: "Wir sind in Wahrheit nur Anreger und Bittsteller, wir sind nicht die Entscheider. Es kommt auf den Freistaat Bayern an, der die in Frage kommenden Immobilien besitzt." Da das Gelände der "Alten Chemie" und jenes gegenüber der TU schon wegen anderweitiger Vergabe aus dem Rennen sind, bleibt nur das des so genannten Braunen Hauses. Sollte das aber vom Freistaat nicht in Betracht gezogen werden, dann stelle sich für die Stadt die Frage: "Verharren wir weiter in der Rolle des Bittstellers oder sagen wir: Das Thema ist uns so wichtig, dass wir nicht darauf verzichten wollen?" Was bedeuten würde: ausweichen ins Stadtmuseum. Doch das befürwortet niemand.</P><P>Lässt sich hier eine einvernehmliche Lösung mit dem Freistaat finden - was zu wünschen und wovon auszugehen ist -, steht schon die nächste Hürde bereit: die Besetzung des Kuratoriums für die Errichtung des NS-Dokumentationszentrums, deren Finanzierung je zu einem Drittel von Stadt, Bund und Freistaat getragen wird. Ist das Zentrum fertiggestellt, wird es eine 100-prozentig von der Stadt finanzierte Einrichtung sein.</P><P>"Jetzt ist der Freistaat gefordert - und zwar schnell."<BR>Richard Quaas, CSU-Stadtrat</P><P>Dennoch gibt es einen Dissens zwischen Stadt und Freistaat bezüglich des Kuratoriums (zwölf Mitglieder, aber nur ein Vertreter Münchens). Ude: "Wenn wir klein beigäben, käme das einem kommunalpolitischen Novum der Selbstentmachtung des Stadtrates gleich."</P><P>Das mag Stadtrat Marian Offmann (CSU) so nicht gelten lassen: "Die Zusammensetzung des Kuratoriums darf nicht der Knackpunkt in den Verhandlungen sein. Es hat sich beim Dokumentationszentrum in Nürnberg gezeigt, dass das Kuratorium, wie es sich der Freistaat vorstellt, hervorragend funktioniert hat. Die entscheidende Frage ist und bleibt die des Ortes. Es geht nur der Königsplatz." Über alle parteipolitischen Querelen hinweg müsse das Ziel im Vordergrund stehen: 60 Jahre nach Kriegsende endlich die Errichtung eines NS-Dokumentationszentrums, "damit das, was von München einmal ausgegangen ist, nie mehr ausgehen darf". Stadtrat Richard Quaas (CSU) ergänzt: "Es wäre schön, wenn die Zeitzeugen, die es noch gibt, die Eröffnung noch miterleben könnten. Jetzt ist der Freistaat gefordert - und zwar schnell."</P>

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