Das i-Tüpfelchen will Robert Plank noch herauskitzeln.

„Es geht ums Sahnehäubchen“

München - „Ohne Ehrgeiz und ohne ein Ziel vor Augen geht gar nix." Das stand für Robert Blank bereits fest, als er 2008 die Leitung des Münchner Oratorienchores übernahm. Und selbst wenn der älteste Chor der Stadt ein Laienensemble bleibt, sieht der Chef darin keinen Grund, seine Ansprüche nach unten zu schrauben.

„Gerade in einer Stadt wie München ist die Konkurrenz groß. Da muss man den Leuten schon etwas bieten.“ Aktuell ist dies etwa „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn, die am 15. Dezember im Herkulessaal aufgeführt wird und im fast unüberschaubaren Angebot von Bach’schen „Weihnachtsoratorien“ für willkommene Abwechslung sorgt.

Bis zum großen Tag wird in der Aula des St.-Anna-Gymnasiums im Lehel weiter an letzten kleinen Ecken und Kanten gefeilt. So lange, bis alle Einsätze eben nicht nur die perfekte Tonhöhe und das richtige Timing haben, sondern auch die passende Klangfarbe. „Ich weiß, das sind Dinge, die man manchmal mehr spürt als hört“, sagt Blank in der Probe zu seinem Ensemble. „Eines sollte aber klar sein: Wir reden hier nur noch von den letzten fünf Prozent, die ich aus euch rauskitzeln will. Es geht sozusagen nur noch ums Sahnehäubchen.“ Und dass seine Sänger dieses letzte Tüpfelchen auf dem i noch hinkriegen, daran zweifelt der Chef keine Sekunde.

Jeden Montag trifft sich der Chor zur Probe, in heißen Konzertphasen auch mal am Wochenende. Zusätzlich wird individuelles Stimmtraining angeboten. Neben den Klassikern wie aktuell Haydns „Schöpfung“ will Blank auch das Repertoire erweitern. Zuletzt etwa durch die „Walpurgisnacht“ von Mendelssohn Bartholdy oder Honeggers „Le Roi David“, der bislang wohl größten Herausforderung. „Auch wenn die Probenzeit da ein wenig knapp geworden ist, war das am Ende ein wahnsinnig tolles Konzert“, sagt Blank. Eines, auf das die Chorsänger stolz sind: Viele nennen den biblischen König, wenn sie nach einem besonderen Konzerterlebnis gefragt werden. Blanks Arbeit scheint sich also bezahlt zu machen. Obwohl die neu eingeführten Vorsingen und die nach oben gehängte Messlatte nicht bei allen für Begeisterung sorgten: „Sicher bin ich da anfangs an ein paar Grenzen geraten. Aber man muss sich einfach überlegen, wo man hin will. Letzten Endes waren wir uns meist sehr schnell einig und haben eigentlich immer an einem Strang gezogen.“ Und so hat der Chor allen Skeptikern zum Trotz nicht nur seine Mitgliederstärke gehalten, sondern sogar noch das Durchschnittsalter gesenkt. Wenn auch, wie bei fast allen Chören, der männliche Nachwuchs bisher deutlich überschaubarer ausfällt.

„Das Besondere an unserem Chor ist, dass wir viele große Stimmen mit fast schon solistischer Qualität haben.“ Und Robert Blank weiß, wovon er spricht. Er hat in den vergangenen 16 Jahren unterschiedlichste Chöre dirigiert und bis vor vier Jahren selbst aktiv gesungen, unter anderem im BR-Chor. „Es war toll, Leute wie Michael Gläser oder all die anderen großen Namen zu erleben. Von denen kann man fast noch mehr lernen als an jeder Hochschule.“ Der Schritt ans Pult wollte trotzdem gut überlegt sein. „AmAnfang hab’ ich oft ganz schön geschwitzt, wenn ich bei einem Projekt auf der Bank saß und beim nächsten auf einmal vorne stand. Aber ich würde sagen, dass ich das ganz gut hingekriegt habe. Und wenn es fachlich passt, dann ist das auch mit der Autorität eigentlich nie ein Problem.“

von Tobias Hell

Konzert

am 15.12. im Herkulessaal; Telefon 089 / 54 81 81 81.

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