Von Geistern belauert

- Ein ehemaliger Mönch auf Verbrecherjagd, Morde, die sich als Selbstmorde lesen lassen, und zwölf Apostel, die verzweifelt versuchen, im Chaos ihres Lebens sich selbst nicht zu verlieren. Der neue Krimi des in Kochel am See geborenen und in München lebenden Autors Friedrich Ani, "Idylle der Hyänen", zeichnet ein kaleidoskopartiges Bild der Münchner Gesellschaft.

Der Titel Ihres neuen Buches bleibt auch nach der Lektüre rätselhaft.

Friedrich Ani: Die Frage des Selbsttötens ist der Hauptakkord des Romans. Die Hyänen sind die Geister in einem, denen man nicht entkommt. Und Idylle deshalb, weil selbstmordgefährdete Menschen ganz unauffällig wirken, ihnen aber Hyänen innewohnen.

Warum dieses Thema?

Ani: Das Thema war nicht das erste, was da war, sondern die Figur der Nonne mit ihrer Vorbelastung, die das Erbe des Selbstmords verwaltet. Es gibt ja die Theorie vom vererbten Selbstmord. Der Selbstmord ist eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft. In den USA etwa ist die Zahl der Selbstmörder höher als die der Aidstoten. Das nehme ich wahr.

In Ihrem Buch gibt es Personen, die Selbstmord grundsätzlich verteufeln, und andere, die ihn ihr Leben lang herbeisehnen. Was entspricht eher Ihrer persönlichen Einstellung?

Ani: Ich halte ihn für eine legitime Art, das Leben zu beenden.

Im Buch kommen viele religiöse Anspielungen vor.

Ani: Es geht ja um Religion, die wieder sehr zeitgemäß ist. Man denke nur an die ganzen Fanatiker. Darüber hinaus wird Religion wieder als gesellschaftliches Kommunikations-Element begriffen. Was mich betrifft: Ich habe ein entspanntes Verhältnis zur Religion, bin aber religiös - noch dazu katholisch, obwohl ich mit der Führung des Vereins unzufrieden bin. Für mich hat die Natur einen Sinn, Menschen nicht, weil sie die Botschaft der Natur nicht verstehen.

Religiös und trotzdem akzeptieren Sie Selbstmord?

Ani: Eigentlich - und diese These kommt auch in meinem Roman vor - war Jesus doch der erste Selbstmörder der Kirche. Er wollte doch sterben oder nicht?

Ihr Buch entspricht nicht dem gängigen Krimi-Klischee.

Ani: Die Lösung des Falles ist ja auch nicht der Sinn des Weges. Der Sinn meiner Bücher ist es, in die schlecht beleuchteten Zimmer unscheinbarer Menschen zu schauen. Sie haben es schwer, aber sie versuchen es. Das Erzählen von diesen Menschen, von Innenwelten, sehe ich als meine Aufgabe.

In welcher Beziehung stehen die Personen des Romans zu Ihnen, dem Schriftsteller Ani?

Ani: Jede Figur ist ein gewisser Teil von mir. Die Herausforderung beim Schreiben ist es unter anderem, plötzlich jemand zu sein, der man nie sein wollte. Mich selbst gibt es eigentlich nur durch meine Figuren. Ohne sie gäbe es Friedrich Ani vielleicht schon gar nicht mehr. Wenn ich schreibe, bin ich diese Figuren. So sehr, dass manchmal die Rückverwandlung verwirrend ist.

Kommissar Fischer sagt einmal: "Man soll sein Leben nicht allzu persönlich nehmen."

Ani: Dieser Satz drückt die Demut aus, die Fischer, der einstige Mönch, vor der Schöpfung empfindet. Das eigene Leben ist nur geliehen und wir Menschen sind in die Welt geworfen und nur ein Teil des Großen.

Es gibt in Ihrem Buch aber nicht nur die eine Hauptfigur. Ist das im Krimi-Genre nicht ungewöhnlich?

Ani: Ja, es gibt mehrere Hauptpersonen, eigentlich drei gleichwertige. Das mache ich aber nicht etwa, um mich von anderen Autoren abzugrenzen. Das ist einfach meine Art.

Ihr Buch erweckt den Eindruck, dass es Taten gibt - etwa die Misshandlung eines Kindes -, die Mord rechtfertigen.

Ani: Nein. Es mag Notwehr geben, aber Mord beinhaltet immer Vorsatz. Die Interpretation, ob es sich bei meinen Fällen um Mord handelt oder nicht, überlasse ich aber bewusst dem Leser. Er soll das Buch nicht mit einer Lösung weglegen, sondern darüber nachdenken.

Das Buch endet sehr offen. Gibt es eine Fortsetzung?

Ani: Polonius Fischer und seine Kollegen werden mit Sicherheit in weiteren Büchern vorkommen. Mehr möchte ich nicht verraten.

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