Tür auf und gut gelaunt

- Der Advent steht vor der Tür. Und da hat Margit Bönischs Komödie im Bayerischen Hof für die ganze Familie genau das richtige Stück im Angebot: "Die Feuerzangenbowle". Heinrich Spoerl wurde mit seinem 1933 erschienen "Loblied auf die Schule" flugs zum Erfolgsautor der gehobenen deutschen Unterhaltungsliteratur. Die Popularität hielt an bis in die Nachkriegszeit, schon durch die Verfilmung 1944 mit Heinz Rühmann als Dr. Pfeiffer: Der junge Schriftsteller Pascal Breuer als Dr. Pfeiffer holt nach Privaterziehung das mit Streichen aufregend versüßte Primaner-Leben nach. Diesen "Pfeiffer mit drei f" spielt in München Pascal Breuer. Regie führt Karl Absenger, zuletzt erfolgreich am gleichen Haus mit "Arsen und Spitzenhäubchen". Premiere ist heute.

<P>Geplant war sie ursprünglich für Samstag. "Ich inszeniere nun schon über 20 Jahre, aber dass eine Premiere vorverlegt wird, ist mir jetzt zum ersten Mal passiert", lacht Karl Absenger - vom Zusatz-Stress "geschafft", trotzdem fröhlich und gelöst: "Bin ich immer. Mit Schauspielern arbeiten zu können, die ich schon als Jugendlicher verehrt habe, Bruni Löbel zuletzt in ,Arsen und Spitzenhäubchen, aber auch immer neuen Leuten zu begegnen, das macht doch so viel Spaß."</P><P>Und schwärmt schon weiter von Pascal Breuer: "Die Idealverkörperung des Pfeiffer. Er hat den spielerischen Schalk, den kindlichen Übermut und den verführerischen Charme." Überdies sei Breuer ein so liebenswerter, sympathischer Mensch. Dass neben dem darstellerischen Können das Menschliche stimme, darauf habe er auch beim Vorsprechen der anderen sechs "Pennäler" geachtet: "Bei den Böhnisch-Produktionen ist man ja auch auf Tournee ein paar Monate sehr eng zusammen."</P><P>Granteln ist bei ihm tabu: "Ganz zu Beginn meiner Regie-Laufbahn habe ich wohl auch bei den Proben gemosert, über die Technik, über dies und das. Dann lief aber überhaupt nichts . . . Auch wenn's mir nicht so gut geht, ich schnaufe durch, mache die Tür auf und - bin gut gelaunt." Er sei eher ein sanfter Vergewaltiger.</P><P>Das offensichtlich mit Erfolg. Der gebürtige Grazer hat nach einigen Jahren als Schauspieler Komödien, Musicals, Operetten, Opern quer durch Deutschland inszeniert. Sein "Vetter aus Dingsda" war ein Dauerbrenner am Gärtnerplatztheater. Seine "Anatevka" letztes Jahr für Michael Lerchenbergs Luisenbühne in Wunsiedel hatte "106-prozentige Platzausnutzung" und wird 2005 wiederaufgenommen. Im Januar steht "Vogelhändler" für die Musikalische Komödie Leipzig an. "Ja, ich lebe aus dem Koffer", seufzt Absenger. Aber es ist doch eher ein Lust-Seufzer, denn nach drei Jahren an einem festen Haus war das Freiberufliche sein eigene Entscheidung - die immer neue Herausforderung.</P><P>Und jetzt "Die Feuerzangenbowle"? "Ich liebe ja die leichte Muse", sagt Absenger mit seiner versonnenen Hingabe. "Sie ist für mich das weite Feld zwischen Lachen und Weinen. Es gibt bei diesen Gymnasiasten durchaus ernste Momente, die Cliquenbildung gegen den Neuen, die Fiesheiten . . . Man darf das Publikum auf keinen Fall langweilen. Wir haben Wilfried Schröders Bühnenbearbeitung, die auch dem Film zugrunde liegt, von dreieinhalb auf zwei Stunden gekürzt. Pfeiffers Geschichte wird natürlich von A bis Z erzählt. Es hat die Streiche drin, das Erwachsenwerden, das Gefühl der ersten Liebe. Es wird auch viel gesungen, dreistimmig. Eva Knauer, die Tochter des Direktors und Schwarm der gesamten Oberprima, unterrichtet ja Musik. Ich denke, wenn die Leute aus dem Theater kommen, werden sicher einige ,Ich weiß nicht, was soll es bedeuten vor sich hinsummen."</P>

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