Wo Geld keine Rolle spielt

- Die Überraschung ist groß: Die Bayerische Staatsoper schmeißt ihren "Ring des Nibelungen" weg. Ein Skandal, wenn man bedenkt, dass eine Opernproduktion traditionell ein Haltbarkeitsdatum von weit mehr als nur vier Jahren haben muss. Wenn an diesem Freitag mit dem "Rheingold" Wagners "Ring"-Zyklus startet, ist das zugleich der Anfang vom Ende. Nach der "Götterdämmerung" am 19. November ist die David Alden/\x0fZubin Mehta-Produktion nur noch gut für die Annalen.

Zum Vergleich: Der vorherige "Ring" (Lehnhoff/ Sawallisch) hatte 1987 Premiere und wurde bis 1999 insgesamt 16 Mal zyklisch aufgeführt. Einzelne Teile waren sogar bis 2001 im Repertoire. Von dem aktuellen "Ring" ­ die "Rheingold"-Premiere in der Regie des kurz darauf verstorbenen Herbert Wernicke war 2002 ­ wird es dann zwischen 2003 und 2006 schließlich sieben zyklische Aufführungen gegeben haben. Das war‘s. Und die Bayerische Staatsoper kommt in die für sie peinliche Situation, nicht nur ein hochfinanziertes, teures Luxusprodukt auszurangieren, als spiele Geld keine Rolle, sondern nun auch ein Haus von Weltrang zu sein, dass dieses Werk nicht im Repertoire hat. Ein Novum.

Nagano und Bachler planen 2008 einen neuen "Ring"

Warum das so ist, erklärt Direktoriumsmitglied Ulrike Hessler: "Die Oper wird mit Klaus Bachler (dem zukünftigen Intendanten, ab 2008, Anm.d.Red.) eine Neuinszenierung planen." Zudem sei eine Wiederaufnahme des gegenwärtigen "Rings" insofern nicht machbar, da alle wesentlichen Rollen neu besetzt werden müssten, darunter auch die der Brünnhilde; denn Gabriele Schnaut verabschiedet sich mit diesem Zyklus von ihrer Partie und strebt als Sängerin einen Fachwechsel an.

Für die Oper gehören Um- und Neubesetzungen eigentlich zum Tagesgeschäft. Aber bei den vier Abenden des "Ring des Nibelungen", so Hessler, müsste dem neuen Dirigenten, in diesem Fall natürlich GMD Kent Nagano, ausreichend Probenzeit eingeräumt werden. Anders würde sich heute kein Maestro mehr von Rang darauf einlassen. Würde Nagano die Alden-Inszenierung übernehmen, müsste dies auf einem musikalischen Niveau geschehen, das einer Neuinszenierung gleichkäme. Das aber würde bedeuten: in der kommenden Saison eine Inszenierung weniger. Und: "Es war Nagano für die nächsten zwei Jahre klar, dass er den ,Ring\x0e’ so nicht übernehmen würde."

Hessler: "So schön es ist, als Opernhaus ein Repertoiretheater zu sein, aber die Wiederaufnahmen innerhalb des Repertoires sind ein Problem." Sie räumt aber ein: "Es ist ungewöhnlich, dass die Bayerische Staatsoper über so lange Zeit keinen ,Ring’ haben wird. Wir wollen jedoch dieses Werk mit einer neuen Generation von Sängern präsentieren."

Nun darf spekuliert werden. Waren vielleicht die letzten "Ring"-Vorstellungen nicht gut genug verkauft? Hessler: "Der letzte Zyklus war eine Streik-Version, der Kassenverkauf verlief entsprechend schleppend, aber schließlich war das Haus voll." Hat der ursprünglich designierte, dann wieder aus seinem Vertrag entlassene Opernintendant Christoph Albrecht in seiner Vorlaufzeit nichts, also auch keine neue "Ring"-Besetzung geplant? Oder widerstrebt es Kent Nagano einfach nur, eine Aufführung zu dirigieren, die von Vorgänger Zubin Mehta geprägt wurde?

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