Wo das Geld für die Kultur noch locker sitzt

- Zwei 400-Jährige haben gerade gemeinsam Geburtstag gefeiert, dies im Rahmen der Münchner Residenzwoche. Die beiden Herren heißen Antonio Bertali und Giacomo Carissimi. Letzterer hat es einer jungen Sängerin aus Altötting besonders angetan. Schon als junges Mädchen lernte Ulrike Hofbauer den italienischen Komponisten bei ihrer Gesangslehrerin kennen und "seither ließ er mich nicht mehr los". Das nächste Mal ist die Sopranistin am kommenden Samstag im Rahmen der Residenzwoche zu hören. Im Antiquarium singt sie mit mehreren Kollegen Werke von Orlando di Lasso (20 Uhr).

Die Alte Musik ist ihre Leidenschaft. Nach Flöten-, Klavier- und Cello-Unterricht landete sie, 17-jährig, als Gastschülerin von Sabine Schütz in der Berufsfachschule für Musik in Altötting. Anschließend studierte sie Gesang und Gesangspädagogik ("damit die Eltern auch beruhigt waren") in Würzburg, am Salzburger Mozarteum und schließlich in der berühmten Schola Cantorum Basiliensis. Hier holte sie sich den letzten Schliff fürs barocke Repertoire.

"Ich hatte immer ein bisschen Probleme mit dem ,normalen’ Gesang, mit dem überzogenen Vibrato. Ich bevorzugte eine natürlichere Stimmgebung, auch die Nähe zur Sprache, und fand dies in der Alten Musik." In Weil am Rhein, unweit von Basel, das ein "Nest" für Alte Musik ist und wo sie in den Bibliotheken stöbern kann, ist Ulrike Hofbauer hängen geblieben. "Ein schönes Eckchen und sehr warm. Dennoch vermisse ich Bayern sehr."

Aber sie schätzt die günstige Lage. "Man ist schnell in der Schweiz, wo das Geld für die Kultur noch locker sitzt, in Italien, Belgien, den Niederlanden." Ein wichtiges Kriterium für die in ganz Europa gastierende Sopranistin, die mit einer Gesangskollegin und einer Barock-Harfenistin ihr eigenes Ensemble "savadi" gegründet hat - für Musik aus Renaissance, Barock und Moderne. Auch mit dem Traversflöten Ensemble "Modena Consort" musiziert sie häufig. Und im "Alleingang" erobert sich Ulrike Hofbauer Klassik und Romantik und möchte gerne mal einen Ausflug in die zeitgenössische Oper riskieren.

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