Die Geldmaschine

- Die Petersburger Eremitage, eines der größten kunst- und kulturgeschichtlichen Museen, eröffnet eine Filiale in Amsterdam. Ab Ende 2007 sollen den Kunstschätzen aus Russland im historischen "Amstelhof" im Stadtzentrum rund 4000 Quadratmeter für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen. Bereits von Samstag an bis 29. August sind in einer ersten Ausbau-Phase in der Schwarzmeer-Region geborgene, antike Goldschätze der Griechen zu sehen.

Als erster kontinentaleuropäischer Ableger des russischen Megamuseums wird damit zunächst "Haus Neerlandia" direkt an der Nieuwe Herengracht seine Türen öffnen. Dann soll der auf 39 Millionen Euro veranschlagte Umbau des seit 333 Jahren als Altenheim genutzten "Amstelhofs" gleich nebenan beginnen.<BR><BR>"Wir erwarten hier künftig bis zu 300 000 Besucher jährlich, überwiegend wohl kunstbegeisterte Einzelreisende", schildert Frans van der Avert als Sprecher der Stiftung "Eremitage an der Amstel". Fest geplant sind für "Neerlandia" zunächst eine Dokumentation über das letzte Zarenpaar Nikolaus und Alexandra als Sammler sowie eine hochkarätige Gemäldeschau mit Spitzenwerken des venezianischen Barock von Tintoretto bis Tiepolo. Kunstfreunde sollten sich aber merken, dass keine der Ausstellungen mehr als fünf Monate dauern wird: Nationale Kunstschätze dürfen nach russischem Recht nicht auf längere Reisen.<BR><BR>Der kommende Kunstgenuss hat durchaus sehr realen Hintergrund: Von jeder in Amsterdam verkauften Eintrittskarte soll ein Euro in die Kassen der finanziell "klammen" Eremitage fließen, um hiermit überfällige Umbauarbeiten und notwendige Kunst-Konservierungen zu finanzieren. Im November 2000 hat Michail Piotrowski, der durch Verflechtungen mit großen Museen in den USA und Europa längst zum Global-Player gewordene Eremitage-Direktor, nach diesem Konzept Ausstellungsräume in London eröffnet. Fast 480 000 Euro hat diese britische "Geldmaschine" bisher erbracht. <BR><BR>Das Ausstellungs-Programm, das sich aus dem Eremitage-Bestand von rund drei Millionen Kunstwerken von der archäologischen Kostbarkeit bis zu Gemälden von Henri Matisse speisen wird, soll auf jeden Fall ein Kontrast zu anderen Amsterdamer Präsentationen bilden.<BR>

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