Nur gelegentlich ein Lächeln

- "Superstar", den Begriff mag Autor und Sammler Ernst Burger gar nicht. Aber wie sollte man Franz Liszt, Tasten- und Salonlöwe, Komponist rauschhafter Musik, europaweit verehrt als Künstler und Mäzen, anders bezeichnen? Rund 260 Fotos dieses Genies besitzt Burger, die Hälfte ist derzeit im Münchner Stadtmuseum ausgestellt. Ein Schnappschuss aus Liszts letztem Lebensjahr ist darunter, der Rest ist das Ergebnis sorgsam inszenierter Sitzungen.

<P>Oft wird die "Schokoladenseite" gezeigt, also das rechte Profil mit dem markanten Nasenschwung und dem ausgeprägten Kinn - links verunzierte eine Warze die Wange des Meisters.<BR><BR>Die Bilder wurden erstellt von den berühmtesten Fotografen des 19. Jahrhunderts (darunter Franz Hanfstaengl, Louis Held, Nadar), die Liszt um einen Termin bestürmten. Auffallend der fast immer gleiche Ausdruck: stolz, bestimmt, entschlossen, dazu der offene, in der Frontalansicht meist durchdringende Blick. Im Alter weichten die Züge auf, offenbarten sich Anflüge von Güte - und gelegentlich ein Lächeln.<BR><BR>Geordnet sind die Liszt-Porträts chronologisch. Und zugleich dokumentieren sie damit die Geschichte der Fotografie, die seinerzeit ihre erste Blüte erlebte. Am Beginn standen übermalte Kalotypen, Liszts Leichnam wurde schon mit technisch deutlich gereiften Apparaten abgelichtet. Vertieft wird diese Entwicklung in Ernst Burgers exzellent gestaltetem Buch "Franz Liszt in der der Photographie seiner Zeit", das alle 260, oft großformatigen Bilder vereint. Zugleich bietet es eine sehr dicht geschriebene Biografie dieser, wie Burger findet, "sagenhaften Persönlichkeit". Die starken Bilder sind der beste Beweis.<BR></P><P>Bis 6. Juli Di.-So. zwischen 10 und 18 Uhr. Das Buch zur Ausstellung: Ernst Burger: "Franz Liszt in der Photographie seiner Zeit". Hirmer Verlag, München. 144 Seiten, 39 Euro (Ausstellung), 49 Euro (Buchhandel).<BR><BR></P>

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