Geliebter Mambo

- Nix aufm Konto - mach was draus. Ein Ermutigungsmotto, das in diesen klammen Zeiten noch so manches Theater zu Low-Budget-Produktionen beflügeln dürfte. Bei der Premiere von Wolfgang Adenbergs Musical "Swing Sisters" jetzt in der Münchner Komödie am Max II schaute das Sparschwein nicht nur aus allen Ritzen der Ausstattung: ein Sofa, ein Kleiderständer.

Pianist Miklos Kinces muss (mit zugespielter Konserve) ein ganzes Orchester ersetzen, was er ganz geschickt bewerkstelligt. Und Sissy Staudinger, Barbara Há´nys und Sandra Koltai sind die charmanten "swinging sisters", die mit Stimme und Hüftschwung einen Strauss von Nostalgie-Hits aus dem Plattenschrank der 50er- und 60er-Jahre servieren.

Michael Wedekind hat, das soll nicht verschwiegen werden, ein bisschen sehr "schlank" inszeniert, was neben der finanziellen Diät wohl auch Adenbergs Musical-Machart zuzuschreiben ist: Im Testament hat der bis jenseits des Dahinscheidens unkonventionelle Hubertus Klingenberg verfügt, dass seine drei untereinander wenig kontaktfreudigen Töchter auf seiner Gedenkfeier noch einmal gemeinsam singen.

Wie die drei sich zusammenraufen, hinweg über blockierende Ehegatteriche (Bernhard Ulrich: am Ende ein fast rührender Sangeshumorist), nervend anrufende Geschäftspartner und neue, enttäuschende Lover (Josef Baum), ist jeweils Anlass zu einem Song, der inhaltlich irgendwie auf diese Story und ihre Figuren passt. "Papa Loves Mambo" zum Beispiel auf den schrägen Klingenberg, "My Heart Belongs to Daddy" bei der Single-Frau Sonja, bei der Sängerin Matilda der Harry-Belafonte-Song "Mathilda" oder "The Lady is a Tramp". Und "Swing swing" klingt prima im geschwisterlichen Trio.

Verena Rendtorff hat dem Kleeblatt funkige Revue-Bewegungen auf den Leib choreographiert, in denen Musical-Kraftkehle Sissy Staudinger prächtig zeigt, dass die rundliche Frau nicht weniger tänzerisch ist. Freche Bonmots gehen ihr ohnehin flott von der Lippe: "Wenn man morgens schon so zerknittert ist, dann hat man abends viele Entfaltungsmöglichkeiten." Die haben die drei Musical-Beauties gewiss und können diesen kleinen leichten Abend als eine Art Vorlauf nehmen.

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