Geliebter Schmetterling

- Sie ist Marguerite Gautier, die bleiche, schöne Lucia Lacarra. Mit dieser tragischen Romanfigur des jüngeren Alexandre Dumas hat sie ihre Rolle gefunden. Und dass "Kameliendame" eines der schönsten Neumeier-Ballette ist, hat sich soeben im Münchner Nationaltheater wieder bestätigt. Von (noch) ganz kleinen technischen Schwachpunkten abgesehen, war diese Wiederaufnahme mit Dieter Rossberg am Pult, Dascha Lenek, Svetlana Behrisch und Simon Murray Chopin-sensibel am Flügel eine Staatsballett-Sternstunde.

<P>Lacarra - wie sie schreitet, schwebt, mit gewusst schön gewendeten Schultern und Blicken kokettiert. Gar nicht einmal als sinnlich verführerische Kurtisane, eher als ein von allen geliebter Schmetterling, lustvoll verspielt durch den Tag flatternd - der schon der letzte sein könnte. Und dann das zarte Entdecken einer jungen berührenden, einer möglichen echten Liebe: Armand. Roman Lazik, wunderbar als hoch gewachsene, romantische Jünglingserscheinung mit vornehmer Technik. Wunderbar als Partner - und was hat er bei dem Bewegungsgrübler Neumeier wieder kompliziert zu liften und zu schleppen! Wunderbar musikalisch in der lyrischen "Liebeslinie" seiner Ports de bras. Auch als frisch entbrannter Lover überzeugt er. <BR><BR>Emotional gibt er dennoch immer ein bisschen weniger, als man erhofft. Diese Spur von "Oblomow" bei ihm frustriert, hält einen paradoxerweise aber auch in reizvoll gespannter Erwartung (auf demnächst doch noch mehr). Lacarra hingegen kann Gefühl in seinem ganzen Ausmaß von Entsagen und tiefster Verletzung strömen lassen. Höhepunkt: die Unterredung mit Armands Vater, großartig wieder von Ballettchef Ivan Liska. Von gleicher dezenter Präsenz auch Peter Jolesch als Marguerites älterer Verehrer.<BR><BR>Neben den Debüts von Lacarra und Lazik eroberten sich Sherelle Charge und Alexandre Vacheron mit Landpartie-Charme erstmals die Rollen Prudence und Gaston Rieux. Und im eingewebten "Manon"-Ballett verzehrten sich Norbert Graf (des Grieux) und Lisa-Maree Cullum mit barock überhöhter Theatergeste nacheinander. Cullum in der Ballettwoche (10. bis 29. März) erstmals auch als "Kameliendame". </P><P><BR> </P>

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