Wechsel von Goretzka zum FC Bayern perfekt 

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Geliebtes Land

- Es war ein ergreifender Abend. Mstislav Rostropowitsch, der große russische Cellist und Dirigent, entführte die Zuhörer im Münchner Gasteig in die schillernde Märchenwelt von Tschaikowskys "Nussknacker" und nahm sie auch emotional mit hinein in (s)eine russische Schicksalsmusik: Dmitrij Schostakowitschs 11. Symphonie "Das Jahr 1905". Bei der ein wenig fahrig klingenden Ouvertüre der Ballettsuite konnte man noch nicht ahnen, zu welchem Zusammenspiel Rostropowitsch und das Symphonieorchester des BR finden sollten.

<P>Der Dirigent verlangte dem Orchester sofort ein Höchstmaß an Transparenz und Duftigkeit ab und forderte von Beginn an eine Pianissimo-Kultur, die Anlaufzeit brauchte, um dann den Atem stocken zu lassen und zum psychischen Hustenkitzler zu werden. Zauberhaft, gläsern und schwerelos "tanzte" die Fee Dragee via Celesta herein, akkompagniert von der Bassklarinette; herrlich abschattiert mischte sich das Holz zu seidenweichen Streichern (Danse arabe); mit elegantem Schwung erhoben sich die drei Flöten (Danse de mirlitons), bevor sich im Blumenwalzer die Harfe zu Wort meldete. </P><P>Das oft nur herunter geschwelgte Ohrwurm-Stück offenbarte in Rostropowitschs feinsinniger Deutung seinen musikantischen Charme wie seine exquisite Instrumentierung.<BR><BR>Bevor er mit dem Orchester zum symphonischen Gipfelsturm anhob, erläuterte er dem Publikum, was Schostakowitschs Programmmusik erzählt: von der ersten Revolution des russischen Volkes, vom Kampf und den Hunderten Toten und vom Sturmgeläut, das vom großen Volksunglück kündet. "Im Jahr 1905 begann das Unheil in meinem geliebten Land", resümierte Rostropowitsch.<BR><BR>Nicht nur die Hörer wurden emotional eingestimmt, auch die Musiker schienen es. Alle stellten ihre Virtuosität und Ausdruckskraft in den Dienst dieses tönenden Bekenntnisses: Im kriegerischen Aufruhr mit Trompete, Pauke, kleiner und großer Trommel, schließlich mit Gong und zuletzt mit dissonant dröhnenden Glocken ebenso wie in den Gesängen der Streicher, die sich zuweilen wild über mächtige tiefe Bläserlinien erheben oder auch schemenhaft aus einer anderen Welt fast unhörbar herauftönen und im eindringlichen Solo des Englischhorns, das klagend Trost spendet. </P><P>Hier wurde eine Botschaft auf höchstem instrumentalen Niveau vermittelt - das war das Ereignis. Standing Ovations für Rostropowitsch, den Musiker und Menschen, der sich mühsam den Weg durch die Orchesterreihen bahnte, um jedem Einzelnen zu danken.<BR></P>

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