Für wen gemacht?

- Eine Geschichte? Die Sängerin einer Band verschmäht den Sänger, verliebt sich aber in den Choreographen, der für die Bühnenshow angeheuert wurde. Sie lässt die Band im Stich, reist ihm nach in eine andere Stadt - und muss erfahren, dass er eine andere Frau hat. Also kehrt sie zur Band zurück, die endlich ihren Durchbruch erlebt. So erzählt und verklärt im Münchner Theater der Jugend von der "Lovecats"-Schauburg-Band in "Einmal weite Welt - The Lovecats Live", einer Nummernrevue über 50 Jahre Rockgeschichte, von Elvis Presley über Radiohead bis zu "Die Fantastischen Vier".

<P>Eine dünne Geschichte, nur erzählenswert, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: hohe musikalische, vor allem stimmliche Qualität, die rechtfertigt, dass die Band die Hauptrolle spielt. Eine ausgeklügelte Dramaturgie, die mit geistreichen Zwischendialogen unterhält und verblüfft. Und vor allem: das Bewusstsein der Regisseurin Dagmar Schmidt, für wen sie diese magere Szenenfolge, inspiriert durch eine Erzählung von Jutta Richter, eigentlich inszeniert hat.</P><P>Achtjährige jedoch werden ihre Schwierigkeit haben, dem Bisschen Handlung zu folgen, das von häufig englisch gesungenen Liedern weitergetragen wird. Zwölfjährige begeistert vielleicht der Umstand, dass sie ihr erstes Live-Konzert erleben, doch wird ihnen das Amateurhafte der Umsetzung nicht verborgen bleiben. Und für "Jugendliche und Erwachsene" - im Programmheft explizit erwähnt, aber nicht eigentlich Zielpublikum der Schauburg - gibt diese öffentliche Bandprobe mit ihren zähen Übergängen inhaltlich zu wenig her.</P><P>Ironiefreie Wiedergabe</P><P>Ein schlichter, musikalischer Spaß also für alle, die sich einfach an ein paar Hits freuen wollen und an der ironiefreien Wiedergabe von "Time of my life" aus Dirty Dancing nicht weiter stören. Denn Sängerin Lucie Muhr im rosa Zuckerpüppchen-Kostüm, Tänzer Erich Rudolf im schimmernden Anzügchen und Sänger Klaas Schramm im Tiger-Shirt werden einfach nur in flache Teenager-Rollen gepresst. Schade, dass Erich Rudolf eine schwärmerische Episode der Band-Sängerin blieb: Denn seine tänzerische Leistung, inklusive Pas de deux mit einer Schaufensterpuppe, war noch das Beste, was hier geboten wurde.</P>

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