Gemälde einer leisen Schwermut

- Für das am 1. Januar 1896 erschienene erste Heft der "Jugend" lieferte er den Entwurf zum Titelblatt, seinen berühmt gewordenen Schlittschuhläufer. Fast 20 Jahre blieb Fritz Erler (1868-1940) einer der wichtigsten Grafiker dieses dazumal erfrischend frechen, auf heitere Weise kritischen Wochenblattes "für Kunst und Leben".

Als Maler bewältigte er, um sich auf erfolgreiche Weise für Wandfresken zu empfehlen, 1907 das Großformat "Die Lebensalter": Zwei lang und weit gewandete Damen huldigen unterm frühherbstlichen Laub eines Ahornbaumes am vermauerten Ufer eines von Bergen gesäumten Sees sich selber und den letzten Blüten des Sommers, den seitlich sitzenden, mönchisch gekleideten bärtigen Alten und das kleine Kind am Boden vorn nicht beachtend.

In seinen besten Jahren war der schwelgerisch dekorative Fritz Erler einer der bedeutendsten Maler des Jugendstils. Unter dem Titel "Fritz Erler und die Scholle" erinnert das Landsberger Neue Stadtmuseum jetzt mit fast 50 Gemälden und etwas Grafik zugleich an die anderen elf Mitglieder der 1899 aus dem Illustratorenkreis der "Jugend" hervorgegangenen, 1911 zerfallenen, in München und Holzhausen am Ammersee ansässig gewesenen, in ihrer Zeit überaus erfolgreichen Künstlergruppe "Scholle". Als deren Wortführer hat Fritz Erler das gegen Historismus und soßige Salonmalerei gerichtete Programm formuliert. Nach einem Gedicht von Michael Georg Conrad (1846-1927) sollte "jeder seine eigene Scholle bebauen, unbeirrt von Außendingen", eigenständig und dem Leben zugewandt.

Eine leise Schwermut, eine verhalten farbfreudige Besinnlichkeit durchwirkt die kleineren Formate dieser Ausstellung: Franz Wilhelm Voigts abendlich vom Ufer weg in den See hinaus rudernde junge "Frau im Kahn"; Adolf Münzers pastos gemaltes, gleichsam aus Worpswede kommendes "Mädchen am See", Stillleben von Walter Püttner und Adolf Höfer, Gustav Bechlers "Winter am Achensee" und Robert Weises Hausgärten im Vorfrühling. Es dominieren die Großformate: außer Erlers "Die Lebensalter" vor allem Walter Georgis unlängst noch "Brotzeit bei der Ernte" genanntes ländliches Panorama eines bescheidenen Mahls unterm Blätterdach und der von Leo Putz 1921 gemalte "Sommerreigen". Der Mensch in der Natur, in der Genügsamkeit seiner Lebensräume, gab der Aufbruchsstimmung jener Jahre vor dem Ersten Weltkrieg das nötige Gewicht. Der Ornamentalisierung des Lichtes entsprach die gleichsam gleitende, breite Pinselschrift einer neuen, hellen, das Diesseits feiernden Malkultur. Einer der Gründe für den Zusammenschluss der bald international reüssierenden "Scholle" war, dass sie als Künstlervereinigung im Glaspalast unjuriert, auch in großen Formaten, ausstellen konnte, was sie wollte.

Bis 24. September, Dienstag bis Sonntag 14 - 17 Uhr. Katalog 7,50 Euro. Tel. 08191/ 94 23 26.

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