Gut gemeintes Sammelsurium

- Was Kunst mit Räumen, Örtlichkeiten und Umwelt heutzutage so alles anfängt, verfolgt Münchens lothringer dreizehn kontinuierlich seit längerem. Diese interessante Strategie hat es eigentlich nicht nötig, sich mit krampfig anglisierten Titeln aufzumandeln, tut es aber wieder bei der neuen Schau "spacemakers". Lothringer-Kuratorin Courtenay Smith und Brett Bloom vom Künstlerkollektiv Temporary Services, Chicago, haben sich zusammengetan, um internationale Gruppen vorzustellen. Diese Teams arbeiten ohne Gewinnstreben: für sich und Kollegen, für Kinder, Randgruppen, politisch Neugierige oder für eine witzige Idee wie etwa die Transformers (München, Berlin). Die suchen zum Beispiel Menschen, die ihre Wohnung für künstlerische Projekte zur Verfügung stellen.

<P>So erweisen sich alle Initiativen von P.A.R.A.S.I.T.E. aus Ljubljana bis Espacio La Culpable aus Lima als zum Teil spannende, zum Teil pragmatische, tüchtige Ansätze. Wenn sich etwa letztere Gruppe formiert hat, um die eigene Arbeit in der sicher nicht allzu kunst-komfortablen Situation Perus zu stärken, ist das nur vernünftig und begrüßenswert. Oder wenn Mobilivre-Bookmobile, Philadelphia, mit seinen Publikationen der Lese- und Bildungsödnis gegensteuert, dann ist das bewundernswert: Aber eine sehenswerte Ausstellung ergibt das trotzdem nicht. Künstler und Kuratorin haben es nicht vermocht, ihr Anliegen, ihre Kunst in der Fabrikhalle der lothringer dreizehn wirklich augenfällig zu machen. Am knackigsten bieten sich noch "wood" und "rok2" von der God Bless Graffiti Coalition, Chicago, dar, deren Sinnlichkeit ein Labsal in dieser faden Schau ist - und deswegen in ein Kämmerchen gesperrt wird? <BR><BR>Neugierig machen auch die verrückten Aktionen der Grazer von "rotor", die aber nur in zu kleinen Fotos erahnbar sind. Da ist zum Beispiel die gemein-gute Werbewand: "Wir machen Leerstand zu Wohlstand"; ein spitzer Kommentar zu Wohnungsnot und -spekulation. Mehr würde man auch gern von Glasgows "Transmission" sehen, deren Mitglieder mit Zeichnungen - Hubschrauber landet in der Renaissance -, Collagen und Mischtechniken eine anregende Visitenkarte abgeben. <BR><BR>All das bleibt aber als Präsentation, also als visuelles Erleben und Erfahren, als optisches Fundament für eine intellektuelle Verarbeitung im Unverbindlichen. Das Sammelsurium von Informationsfetzen, kleinteiliger Kunst und Performance-Resten ist gut gemeint, aber langweilig. Der "spacig" aufgebrezelte Titel reißt da auch nichts mehr 'raus.</P><P>Bis 31. Oktober, Di.-So. 13-19 Uhr; Tel. 089/ 448 69 61.<BR></P>

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