Gemischte Gefühle

- Auch heute noch kann man mit den Hits der Beatles Hallen füllen. Viele Bands tun das und haben Erfolg damit. In "Beatlemania ­ Europas erfolgreichster Beatles-Show" will das deutsch-britische Quartett die Geschichte der besten Band aller Zeiten erzählen, um den Geist der 60er wieder zu erwecken (Münchner Herkulessaal). Das gelingt mitunter auch, obwohl die Show unausgegoren ist. In einer ambitionierten Videomontage werden die Stationen der Beatles gezeigt und mit wunderbar skurrilem Archivmaterial der damalige Zeitgeist dokumentiert. Die "Silver Beatles" untermalen das mit Liedern der Pilzköpfe.

Weil sie mit viel Liebe zum Detail die gleichen Instrumente spielen wie die Beatles seinerzeit und sogar die uralten "Vox"-Verstärker verwenden, können sie den Sound gut reproduzieren. Zumal Johnny Silver und Ian Watts den Vorbildern John Lennon und Paul McCartney stimmlich recht nahe kommen. Schwierig wird es immer, wenn die Gruppe Szenen aus dem Leben der Beatles nachspielt und dabei nicht einmal das Niveau einer Laienspielgruppe erreicht. Die Stärke der Show liegt im musikalischen Bereich, und da lassen sich die "Silver Beatles" einiges einfallen.

Weil Lieder von LPs wie "Revolver" live nicht werkgetreu musiziert werden können, tun die vier so, als würden sie an Demo-Versionen arbeiten. Diese freieren Interpretationen von selten gehörten Liedern wie "And Your Bird Can Sing" oder die grandiose Variation von "Tomorrow Never Knows" sind die Höhepunkte. Umso befremdlicher, dass die Silvers komplexe Schöpfungen wie "I Am the Walrus" dann doch geistlos nachmachen und kläglich scheitern. Erst mit erdigen Zugnummern wie "Get Back" oder "Lady Madonna" gewinnen sie die Kontrolle über die Show zurück und bringen das Publikum bei "Yellow Submarine" sogar zum Schunkeln. Widerstand ist zwecklos ­ wir leben alle im gelben U-Boot.

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