Gemischtwaren in Greisling

- Schon dieser Ortsname ist genial erdacht. "Greisling" - was kann man da schon anderes erwarten als einen Haufen armer Irrer? Und so ist es auch im neuesten, dem mittlerweile siebten Streich der "Occams", die nach einem Jahr Pause und um einen Akteur (Michael Altinger) reduziert wieder auf der Bühne des Münchner Lustspielhauses stehen.

<P>Eine gewohnt abstruse Geschichte haben Gabi Rothmüller, Andreas Giebel, Manfred Kempinger, Alexander Liegl, und Helmut Schleich da unter dem kalauernden Etikett "Klinik unter Almen" ersonnen. Vater macht Karriere als Arzt, Mutter und zwei Kinder bleiben auf der Strecke, und zwar buchstäblich. Sie sind auf einer Bahnfahrt aus dem Zug gefallen und betreiben nun in besagtem gottverlassenen Greisling eine schlecht gehende Gemischtwarenhandlung. Allerlei schrille Typen scharen sich um die aus einer keifenden Mama (Rothmüller) und zwei tumben, gleichwohl liebenswerten Riesenbabies (Kempinger und Schleich) bestehende Rumpffamilie - eine sehr blonde Friseuse (Liegl), ein sich stets verhaspelnder Gerichtsvollzieher (ebenfalls Liegl), ein einarmiger Reisender (Giebel) . . .<BR><BR>Die schnellen Szenen- und Klamottenwechsel sind (wie immer) Programm in diesem Programm (Regie: Martina Schnell und Werner Winkler), und wie immer hat die Truppe um die Rahmenhandlung herum viele andere saukomisch-sinnfreie Szenen gruppiert. Die fünf Comedians erweisen sich darin wieder einmal als wahre Meister der Miniatur, der ins Absurde spielenden Mono- und Dialoge, die doch "irgendwie" nur der Realität sehr genau abgeschaut sind. Herrlich dimpflig die Typen im Wirtshaus, erschütternd der "Blade Night"-geschädigte Münchner, einfach nur doof der singende, saufende Wirt "Jim Hopf".<BR><BR>Schon vor der finalen Familienzusammenführung in der Klinik gibt's, so viel sei verraten, einen ersten echten Höhepunkt - die "Occams" als lebende Statuen in der Glyptothek. Marmor, den nur eins beseelt - der Gedanke an Flucht. So gescheit kann Blödsinn auch sein.</P><P>Ab morgen bis Samstag, danach bis 7. August jeweils mittwochs bis samstags, um 20.30 Uhr. Telefon: 089/ 34 49 74.</P><P><BR> </P>

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