Genialer Beobachter

- Als Adolph Menzel am 9. Februar 1905 in Berlin starb, verließ ein Hochgeehrter die Kaiserstadt und ihre Menschen - die er in ihrem innersten Wesen (er-)kannte. Wilhelm II. folgte dem Sarg am 13.2., nachdem im Alten Museum die Trauerfeier abgehalten worden war. Die Akademie der Künste ehrte Menzel, und in der Nationalgalerie gab es eine Gedenkausstellung. Dabei war der grandiose Maler und Zeichner, der am 8. Dezember 1815 in Breslau geboren wurde, sicher kein der feinen Gesellschaft gefälliger Künstler. Ihm waren die düsteren Höllen des Arbeitslebens in den Fabriken genauso wichtig wie die strahlenden Himmel der Ballsäle.

<P>Menzel - auch sein nerviger Pinselstrich ist alles andere als gefällig - registrierte als unbestechlicher Beobachter seine Umwelt. Mit allerintelligentester ästhetischer Sicherheit. Selbst bei einer lässigen Fingerübung wie bei dem abgebildeten "Mann mit Maske" von 1883 ist das zu sehen. Spontaneität erzeugt der Maler mühelos mit der Bewegung des Sich-Zurückwendens. Alles ganz natürlich, keine Pose - obwohl natürlich der Kontrast von Tragödien-Maske und verschmitztem Grinsen des Rotbarts sorgfältig inszeniert ist.<BR><BR>Dass Adolph Menzel beileibe nicht von den Berlinern allein vereinnahmt werden darf, darauf können die Süddeutschen pochen: Schließlich liebte er Biergärten, die stimmungsvollen Innenräume von Barockkirchen oder das Tohuwabohu einer Wirtshausküche.</P>

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