Genialer Unternehmer

- Auf goldenem Grund, von edel gekleideten Engelein - wie kleine, höfische Knappen - umschwirrt, steht vor uns die heilige Magdalena. Lang fließen ihre rotbraunen Locken über Schultern und Arme herab; wohl zum Gebet hebt sie ihre Hände, die auf diese Weise die kleinen Apfelbrüstchen halb verdecken. Als einzige spitzen sie aus dem blonden Körperhaar der Einsiedlerin hervor.

<P>Diese heiligmäßige Erotik passt zu dem Schicksal und dem versonnenen, allerliebsten Gesicht dieser Frau der Legenda aurea. 1997 erwarb das Freisinger Dombergmuseum, das Diözesanmuseum des Bistums München und Freising, "Das Chorgebet der hl. Magdalena" aus der Werkstatt Jan Polacks, den Mittelteil eines Altarbildes.</P><P>Für das Team um Direktor Peter Steiner war das der Anlass, sich intensiv mit dem wichtigsten spätmittelalterlichen Maler Münchens zu beschäftigen. Entstanden ist daraus nicht nur ein informativer Katalog und damit die erste Monografie zu dem Künstler, sondern auch die Ausstellung "Jan Polack: Von der Zeichnung zum Bild - Malerei in München um 1500". Besonderen Genuss bereitet es den Freisinger Museumsleuten, dass sie ihren Münchner Kollegen so vormachen, was die eigentlich hätten leisten sollen. Natürlich verbindet dieses Projekt, das vom Haus der Bayerischen Geschichte unterstützt wird, München und den viel älteren, ursprünglichen Sitz des Erzbischofs. In der Kapelle des Schlosses Blutenburg (Obermenzing) sind bildmächtige Altäre Jan Polacks zu sehen, genauso wie in der Alten Pinakothek und im Bayerischen Nationalmuseum Werke hängen. Letzteres hat sich denn auch dem Dombergmuseum angeschlossen. Es präsentiert nun auch neben den Gemälden die dazugehörende Infrarot-Reflektografie.</P><P>Das Verfahren lässt viel besser als Röntgenaufnahmen die Unterzeichnung des eigentlichen Gemäldes erkennen (in München wurde das an den schwer beschädigten Dürer-Werken erprobt). Durch die Infrarotbilder, die in gleicher Größe neben dem jeweiligen Endprodukt platziert sind, hat man gewissermaßen eine ganze Reihe von "Zeichnungen" gewonnen. Diese wiederum belegen, dass es nicht den einen einzigen genialen Meister gab, sondern verschiedene Künstler mit eigener "Handschrift". Jan Polack realisierte mit seiner Werkstatt ein enormes Auftrags-Volumen für die bayerischen Herzöge, für Kommunen, Klöster, Kirchen. Leider gibt es so gut wie keine Informationen über den Mann, von dem man glaubte, er käme aus Polen. </P><P>Heute sind aber genauso Franken und München selbst im Gespräch. Seine frühen Arbeiten stellten sich demonstrativ in die Tradition der Münchner Kollegen Angler und Mäleskircher. 1450 gilt als Geburtsjahr des Künstler-Handwerkers. 1482 erschien der Name im Steuerbuch der Stadt München. Polack stieg zu einem renommierten Bürger auf, der als "Unternehmer" Oberbayern von Ilmmünster bis Schliersee belieferte. Er starb wahrscheinlich 1519, da die Stadtkammerrechnungen nur noch "Jon Poleckhenns säligen erben" erwähnen. </P><P>Dass zu einem Werkstatt-Chef das Handwerkliche gehört, wird in der Freisinger Schau mit Gerätschaften vom Gravierhaken bis zum Kohlebeutel und mit Materialien von der Kermeslaus (roter Farbstoff) bis zum Blattgold ebenfalls anschaulich demonstriert.</P><P>Bis 6.2.05, Tel. 08161/ 48 79-0; Katalog: 18 Euro.</P>

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