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Georg Ringsgwandl

Geniales Kaschperl -Ringsgwandls feine Rock-Show

Georg Ringsgwandl , dieser Tiefstapler, behauptet im Internet : „Ich bin an sich ein Multidilettant und nicht, wie die Medien behaupten, ein Multitalent.

Ich singe mehr oder weniger grausig, aber eingängig. Ein paar Fehlgeleitete der Gesellschaft gehen dann in die Konzerte. Eigentlich bin ich auf der Bühne ein abschreckendes Beispiel.“

Vieles, was er sagt, ist nicht falsch. Aber wie bei Karl Valentin , mit dem er bisweilen verglichen wird, hat Ringsgwandls Dilettantismus Methode und macht den 60-jährigen grell geschminkten Anzugträger zu einem Ereignis, das man gesehen haben muss. Beim Auftritt im vollbesetzten „Tollwood“-Zelt zeigt sich all das aufs Neue: Natürlich sollte man seine Arme und Beine auf der Bühne unter Kontrolle halten und nicht herumfuchteln wie ein Mauerblümchen, das in der Disco auf die Tanzfläche geschubst wurde. Man sollte auch keine minutenlangen abstrusen Geschichten erzählen und dann ohne Pointe abbrechen.

Doch Ringsgwandls Intuition und Intelligenz erheben all das zur Kunst – und noch die abwegigste Schnurre zur allgemeingültigen Betrachtung über die Abartigkeiten der Zivilisation: der Feldenkrais-Therapeut, der tagsüber als Fliesenleger arbeitet; die Dermatologin in der Ich-Krise; die resozialisierte Politesse mit Bachelor-Diplom in Parkraumüberwachung. Oder traumatisierte kasachische Straßenhunde, die in Sindelsdorf sanft behandelt werden.

Der ehemalige Oberarzt hat seinen Dilettantismus zurückgeschraubt zugunsten einer feinen Rock-Show, die musikalisch deutschlandweit ihresgleichen sucht. Die neue CD „Untersendling“ klingt verdammt funky und live sogar noch besser. Schlagzeuger Manfred Mildenberger und Bassist Sebastian Gieck treiben den Groove einfallsreich voran, und der großartige Nick Woodland verfüllt jeden Song mit perlenden Gitarren-Parts. Am Ende hat der Multidilettant die Fehlgeleiteten wieder glücklich gemacht. Sie werden ihr geniales Kaschperl gerne wieder beehren.

von Johannes Löhr

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